Chaos

Auch wenn ich jetzt 10 Tage bei meinen Eltern war und damit den absoluten Luxus hatte, nur auf einen Stuhl fallen zu müssen um was zu essen zu kriegen und noch nicht mal die Teller brauchte ich danach wegräumen, war es dennoch irgendwie anstregend. Erna war 24 h da, keine Kita die sie mir abgenommen hätte, damit ich ein paar Stunden nur mal für mich habe. Klar hatte meine Mama sogar Urlaub. Aber eben auch nicht mit Ernas Dickkopf gerechnet. Denn die Oma war absolut out. Eigentlich war sie wirklich die ganze Zeit um mich rum. Was mich auch sehr gestresst hat, war die Bettgehzeit. Da wurde ich wirklich total alleine gelassen. Meine Eltern wollten dann auch eben mal Feierabend haben und saßen (welch Überraschung) vorm TV und ich bin also allein mit Erna ins Bad, wir waren zusammen in der Dusche (absoluter Luxus, eine Dusche in die ich einfach rein laufen konnte, kein anstrengendes rein und wieder raus klettern mit dicken Bauch, wie bei uns daheim, weil wir in der Wanne duschen), ich hab sie gewaschen, rausgeholt, Zähne putzen (und schon allein dieser Programmpunkt kann ein abendfüllendes Programm werden und kann eigentlich nur von 2 Personen geschafft werden) und natürlich das Bettgehding. Damit war dann mein „Abend“ auch vorbei. Denn sie hat einfach nicht geschlafen. Nie. Mittagsschlaf fiel komplett aus und trotzdem ist sie Abends selten vor 23 Uhr freiwillig in die Traumwelt getreten. Und, was ich auch null von ihr kenne, sie hat dann auch morgens nicht geschlafen. Allerspätestens um 9 Uhr war Ende im Gelände….
Dazu das nicht schwangerschaftsfreundliche Gästebett, was meine Nacht auch selten vor 2 Uhr morgens beginnen lassen hat. Dann natürlich die Abende, an denen wir versucht haben mit dem Papa zu telefonieren, dies aber wegen akuter Heimweh und Papasehnsucht abbrechen mussten. Das war echt schlimm 😦
Klar war es auch schön. Für uns beide. Erna liebt ihre Großeltern und ihre Tante. Aber wir waren beide mehr als froh, als wir dann endlich den Tag der Rückreise erreicht hatten. Der dann zur absoluten Katastrophe mutierte. Kurz bevor wir uns nämlich auf den (eh schon sehr späten) Weg machten um zum Flughafen zu fahren, schaute ich einer Eingebung folgend auf die Flugstatustabelle des Flughafens. Und da stand es. ANULLIERT. Unser Flug! Ich stieß einen Panikschrei aus. Sowas ist mir nämlich noch nie passiert. Scheiße. Was mach ich jetzt? Ich schaute in meinem E-Mail-Fach. Tatsächlich. Da war dann auch die Mail drin, das der Flug nicht statt findet. Aber ansonsten nix. Kein Hinweis was man statt dessen machen könnte. Nur ein Link für Stonierungs- und Umbuchungsdingens. Die Mail selbst war übrigens auch gerade 2 Stunden vor Abflug eingegangen. Also bin ich auf den Link rauf und kam– auf die Web-Check-In Seite, wo auch nix weiter stand, als das der Flug nicht statt findet. Ich fand echt nichts wo ich statt dessen Hilfe hätte klicken können.
Also umständlich die Hotline Nummer rausgesucht. So nach dem ersten Schock. Gott sei Dank gibt es sowas noch. Ewiges Warten in der Telefonschlange. Währenddessen habe ich nach alternativen Flügen gesucht. Doch keine Chance. Das wäre der letzte von diesem Flughafen nach Hause gewesen. Erst wieder morgens was. Zum Glück gibt es ja einen zweiten Flughafen in Berlin. Allerdings, auch hier wieder, zwar noch 2 Flüge nach Hause, aber nicht von meiner Airline. Ich fing an zu weinen, dem Namenslosen Bescheid zu geben das wir heute nicht mehr kommen und wartete immer noch. Dann endlich war ich an der Reihe, der Telefonmensch war ganz nett und konnte uns nach wenigen Minuten die letzten beiden (das ist auch so schlimm, das ich ja dann zwei!! Plätze brauchte) Plätze in einer Sondermaschine vom anderen Flughafen anbieten. Für diesen Abend. Allerdings nochmal ne gute dreiviertelstunde später als der eigentlich schon späte Flug starten sollte. Aber das war mir so egal. Und außerdem wichtig, weil dieser Flughafen nicht so schnell für uns erreichbar ist. Direkt danach fielen tausend Steine von mir ab und wir rasten los. Feierabendverkehr und so. Zwischendrin immer der bange Blick auf den Flugstatus, nicht das der auch noch ausfällt. Und überhaupt. Ich hatte davor ja schon Panik wegen dem Flug. Seit dem 13.11. um genau zu sein. (näher möchte ich mich darauf nicht einlassen, denn ich finde keine Worte dafür)
Dann kamen wir an. Genau eine halbe Stunde vorm Boarding. Zum Glück hatten wir kein Gepäck. Allerdings eine mega Warteschlange vor der Sicherheitskontrolle. Wo auch wirklich niemand auf die Idee kam die hochschwangere Frau (zumindest seh ich so aus) mit dem Kleinkind und dem riesigen Rucksack mal vor zu lassen. So standen wir echt ne halbe Stunde, meine Erna war so so lieb und hat das ganz toll gemacht. Auch die Sicherheitskontrolle selbst machte sie diesmal gut mit, auch wenn um Elsa (ihre Puppe) geweint wurde, die kam dann aber auch recht schnell wieder raus. Aber dann gings los. Während ich den Rucksack wieder einräumte (Ipad und Flüssigkeiten) tanzte meine Erna hinter mir. Ich gebe zu, ich hatte sie nur halb im Blick. Der Typ neben mir nahm dann mit Schwung seinen riesigen Handgepäckskoffer auf den Rücken und zack- knallte damit volle Lotte der Erna gegen den Kopf, die dann rücklings auf den Boden fiel. Als erstes blieb mein Herz stehen, dann ließ ich alles stehen und liegen und rannte zu meinem Kind, die ganz benebelt auf dem Boden lag, wie ein Käfer alle viere von sich streckte und einfach nur herzbitterlich weinte. Gott war das schlimm. Aber was sollte ich tun? Dem Typen tat es furchtbar leid und ich sagte immer nur wieder das es nicht schlimm ist (woher sollte ich das wissen?) und wollte eigentlich nur das jemand kommt und mir jetzt hilft. Aber ich war ganz alleine. Erna schrie und schrie. Ich nahm also mein weinendes Baby und versuchte sie zu beruhigen, gleichzeitig zu gucken ob sie blutet, ob sie eine Gehirnerschütterung hat, wo er sie erwischt hat und meinen Rucksack weiter einzupacken und meinen ganzen Kram zu nehmen (Jacken usw.), damit die Sicherheitskontrolle weiter machen konnte. Denn hinter mir stöhnten schon entnervt die Businessreisenden, weil ich den Gang blockierte. Zwar schauten 2 Sicherheitsleute sehr mitleidig, von denen hat sich aber auch keiner erbarmt meinen (riesigen) Rucksack irgendwie irgendwo zur Seite zu stellen. Also packte ich mir den Rucksack (der hatte ganz sicher mehr als 6 Kilo) auf den Rücken, das 12 Kilo- Kind vorne auf dem Arm. An selber Laufen war bei Erna nicht mehr zu denken. Der Typ kam dann und hat 2 Kekse für Erna rausgekramt, die sie auch genommen hat.Trotzdem weinte sie noch eine ganze Weile weiter. Und ich lief und lief und war am Ende. Bauch und Rücken taten furchtbar weh, mein Herz tat weh (auch wenn Gott sei Dank nicht mal eine Beule zurück blieb) und auf Klo musste ich auch ganz dringend. Da es aber alles so lang dauerte, war inzwischen eigentlich schon Zeit zu boarden. Deshalb ging ich direkt zum Gate. Wo alle noch warteten und genau in diesem Moment die Ansage kam, das der Flug verspätet sei und man nix genaues weiß, man hofft es ist nur eine halbe Stunde. Ich wollte nur noch den Rucksack und das mittlerweile schniefende Kind von mir werfen und sitzen. Aber Pustekuchen. Alles voll. Keiner da der aufgestanden wäre. Ach nee, da war noch die eine Frau, die neben einem leeren Platz saß, auf den ich sehnsüchtig starrte, die statt aber die Taschen dort weg zu räumen, NOCH mehr rauf legte und mit den Augen rollte. Okeeeeee. Also gingen wir, ich fröhlich wie mir gar nicht zu Mute war, zum Glasgang- weil da Fenster waren und zumindest Erna dort rein sitzen konnte und alles beobachten konnte, somit hoffentlich abgelenkt wäre. Ich hockte davor. Hocken ist übrigens auch sehr anstrengend, also falls sie mal eine schwangere Frau hocken sehen, NEIN das ist keine Alternative zu einem Sitzplatz! Die Erna war jetzt natürlich absolut drüber. Es war fast 21 Uhr, kein Flugzeug weit und breit zu sehen, sie war müde, schlecht gelaunt und wollte nur auf meinen Arm. Also nahm ich sie immer für 5 Minuten auf den Arm, ließ sie wieder runter, rabäääääää, wieder Arm, wieder runter, wieder Geschrei. Sie ließ sich kaum ablenken, ich konnte sie aber beim besten Willen nicht die ganze Zeit heben, auf meine Beine saß sie dann auch, tat dann aber auch weh. Nix ging mehr. Und weiter kein Flugzeug in Sicht. Ich war echt am Ende und kurz vorm Zusammenbrechen. War mir ja auch ihr Geschrei und Geweine unangenehm vor den bösen Blicken der Leute. Dann endlich kam das Flugzeug. Wieder warten bis alle draußen waren. Dann rein. (Gott sei Dank kein Bus!!) Dann eine halbe Stunde auf Erna einreden, dass sie doch bitte wenigstens für den Start angeschnallt auf IHREM Sitz bleiben muss. Ich habe Geschichten erzählt, mit Elsa gespielt und sie bekuschelt. Es war schlimm. Meine Hoffnung, das sie dann wenigstens jetzt einschlafen wurde, war auch zunichte gemacht. Den kompletten Flug (der zum Glück ja nur ne Stunde geht) musste ich also eine knatschige Erna bespaßen und nebenbei den immer wieder hart werdenden Bauch ignorieren. Dann nach der Landung wieder alles vollbepackt und die Erna erneut auf den Arm. Die Treppen konnte sie wirklich nicht alleine laufen. Kurz vorm Zusammenbrechen (ich kann ja selber kaum mehr Treppen laufen und es war rutschig und bäh) ab in den Bus. Dummerweise keinen Sitzplatz genommen, sondern das Kind vorne hinter der Trennscheibe des Busfahrers auf das Podest gesetzt. (machen wir eigentlich immer so). Da kam auch schon der Busfahrer- ich soll die Erna während der Fahrt da aber runter nehmen. Das hätte er gerne früher sagen können, denn inzwischen war der Bus sehr gut voll, kein Platz mehr um Erna auf den Boden zu stellen. Also nahm ich dann Erna erneut auf den Arm, Rucksack war auf dem Rücken, und nix zum festhalten in der Nähe. Also wieder alles angespannt und die (echt lange) Fahrt irgendwie überstehen. Dann wieder Erna aus den Bus tragen, den langen Gang tragen und bei der Gepäckausgabe zusammenbrechen. Zum Glück ließ Erna sich überreden da alleine zu laufen, weil der Papa da gleich irgendwo wartete. Und das tat er dann auch. Wir sahen ihn durch die Scheibe und mein Kind ließ sehr viele laute glückliche Freudenschreie los und stürmte zur Scheibe. Sie rief immer wieder „Papa, mein Papa“ und es war so niedlich. Wir rannten dann also zum Papa und die beiden hatten sich endlich wieder. Dafür allein hat es sich echt gelohnt und ich war froh das wir noch an diesem Abend heile wieder nach Hause kamen! Letztendlich war es dann Mitternacht als wir hier die Türe aufschlossen und nur noch Tod ins Bett fallen wollten.
Aber da war ja noch die Überraschung des Namenslosen. Der hatte nämlich in den 10 Tagen alles erdenkliche (außer selber zu handwerkern und das ist auch gut so 😛 ) getan um fertig zu werden. Die Mauern stehen und sind verputzt, in einem Kinderzimmer war der Boden schon drin und er hat das Gästeklo komplett neu gemacht, also neues Klo und neues Waschbecken mit Untertisch. Sowohl auf dem Kinderzimmerstock, als auch auf unserem Wohnstock. Er hat mir eine Duschwand gekauft, damit nächste Woche eine bodentiefe Dusche ins untere Bad kommt um die restlichen 11 Wochen Schwangerschaft bequem zu überstehen. Er hat neue Lampen gekauft und Steckdosen ziehen lassen. Und er hat das ganze Haus (mehr oder weniger, Baudreck ist Baudreck) sauber gemacht.
❤ Es ist toll geworden und das kleine winzige Zimmer das ich nie haben wollte, ist (ohne Möbel zumindest) nicht sooooo klein und winzig 😀

Trotzdem herrscht immer noch Bau-Chaos. Logischerweise. Heute ist das zweite Kinderzimmer mit dem Boden fertig. Jetzt reicht allerdings der Boden nich mehr für die Flure und wir müssen dringend neuen Boden kaufen. Die Türen müssen noch rein, der Putz muss noch überstrichen werden. Und nächste Woche kriege ich dann beine begehbare Dusche- dafür muss die alte Badewanne raus. Auch der Rest fliegt gleich mit, das graue Klo und das graue Waschbecken werden ersetzt. Das Bad wird unten also auch komplett neu gemacht. Aber dann, dann haben wir echt alles geschafft und wir sind (im Haus) echt erstmal durch. Fertig. Keine Baustellen mehr. Da freu ich mich sehr drauf!!! Nur noch Möbel für die Kinderzimmer besorgen, aber das macht ja dann schon wieder Spaß 😀

Deshalb (Baugedöhns) und wegen akuter Wascheritis (ich muss dringend alles waschen, weil schlauerweise niemand den komplett voll geladenen Kinderschrank geleert hat und alles staubig und dreckig ist und dann noch die Babysachen endlich mal sortiert werden müssen um zu gucken was wir jetzt wirklich noch brauchen und was nicht) hab ich erstmal zu tun.
P.S.: Es ist schon ein echt gutes Gefühl mein Kind wohl behütet in der Kita zu wissen, während ich in Ruhe hier rum schaffen kann! Und ja, auch mal ne halbe Stunde einfach nur ICH-Zeit habe. Erna hat in den letzten Tagen wirklich andere Kinder vermisst.