Bock

Seit ein paar Tagen dürfen wir den Bock hier bei uns willkommen heißen. Es ist ihm herzlich egal, das er gar keine Einladung bekommen hat und wir ihn nicht mögen und auch nicht hier behalten wollen. Er kam einfach so, von einer Minute auf die anderen, mitten am Nachmittag.
Jetzt dürfen wir uns ständig und regelmäßig folgendes anhören „RUHE“ „NEIN, lass es!“ „will ganich“ „mag ganich“ „nein anfassen“. Dabei wird sich dann theatralisch umgedreht, in die Ecke gesetzt, die Arme überkreuzt und ein dicker Schmollmund gezogen. Sollten wir uns nicht an dies Ansagen der Chefin halten, dann folgt Stufe 2. Infanalisches Gekreische. Nonstop. Dabei wird um sich gehauen. Besonders schlimm erwischt es gerade den Papa. Wenn Erna eine dieser Phasen hat und dann mal gerade nur mit Mama kuscheln will und der Papa wagt es auch nur in Armlänge neben uns zu stehen, dann wird er sofort mit einem „nein nein will nich lass das“ weggeboxt. Auch gern mit einem „papa geh“ versehen. Auch mich erwischt es manchmal, seit neuestem will sie bei „aua“ nur vom Papa getröstet werden, da kann die Mama auf dem Kopf stehen und mit den Zehen wackeln, keine Chance. Das ist für mich auch sehr schlimm, denn gerade wenn es ihr nicht gut geht, will ich besonders bei ihr sein.
Ich gebe zu, es fällt uns nicht gerade leicht, pädagogisch wertvoll mit dieser neuen Phase des Kindes umzugehen. Gerade wenn es Abends 22 Uhr ist und das Kind bereits 4 Bettgehversuche torpediert hat, sie dann engelsgleich anfängt hochkonzentriert zu malen oder sonstwie zu spielen, und wir dann endgültig alle Geduld verlieren, weil sie verdammtnochmalendlichverflixt ins Bett muss und SCHLAFEN soll, weil sie um 7 wieder raus muss und dann total übermüdet ist. Während wir dann also einmal nett sagen, „Maus, jetzt ist Schluss mit malen, Mama und Papa gehen auch schlafen“, es noch 2 bis 3 Mal wiederholen und absolut ignoriert werden obwohl sie uns ganz sicher gehört hat. Wenn wir dann zu „ERNA, komm jetzt!“ übergehen und ein bockiges „RUHE! Will ganicht! Lass es!“ Geschrei entgegen kommt, dann kann ich mich nur mit Mühe zu einem „Mäuslein, es ist wirklich sehr sehr spät und wir müssen jetzt echt schlafen gehen, du darfst jetzt noch einmal einen Ball malen, dann räumen wir zusammen den Stift weg und können morgen weitermalen“ bewegen- während der Papa eigentlich nur das Kind schnappen und hochtragen würde. Aber das finde ich dann doch auch (noch) nicht ok. Denn sie versteht so viel, und wenn man sie mitten beim malen rausreißen würde, ohne das sie jetzt weiß warum und was da passiert- das ist auch nichts. Aber wir sind ja auch erst in der Kennenlernphase. Wir wissen noch nicht genau wie wir mit dem Bock am besten umgehen müssen.
Ich hoffe sehr, er geht bald wieder, oder bringt uns wenigstens als Gastgeschenk ein bisschen Schlaf mit. Dieser Bock.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s