Blick aus dem Fenster

Ich gehe zwar bereits seit Anfang Oktober wieder arbeiten, aber habe es dennoch erst jetzt geschafft. Das Datenvolumen meines Handys ist bereits aufgebraucht und deswegen schaute ich zum ersten Mal bei der Bahnfahrt nicht in eben jenes, sondern aus dem Fenster. Bisher war es eben einfach nicht wichtig genug, kenne ich doch diese Strecke seit 5 Jahren in- und auswendig. Da passiert nix neues.
Dachte ich.
Doch was sich nun in den anderthalb Jahren da „draußen“ verändert hat, schockte mich schon leicht. Ich starte mit der Bahn mitten in einem Wohngebiet, quasi direkt daneben steht das eine Reihenmittelhaus, dass wir uns damals auch mit ernsthaften Interesse angeschaut haben.  Da ist dieses Neubauprojekt, mit noch mehr Reihenhäusern, ebenfalls direkt an der Bahn und angrenzend das Industriegebiet. Und dort ist einiges passiert. Die riesige brachliegende Fläche, bei der ich jahrelang rätselte, was das eigentlich sein soll, ist nun eine Megabaustelle, direkt neben dem Autohaus, wird nun – Überraschung- ein noch größeres Autohaus der selben Marke gebaut. Muss man nicht verstehen… Gleich auf der anderen Seite hat eine Großbäckerei ihr Zentrum. Die ist auch neu. Scheint aber ganz gut zu sein, denn der Parkplatz ist total voll, man kann sogar ein wenig durch das Fenster in die Backstube schauen. Da steht ein großer Ofen und jemand in Weiß holt gerade etwas frisch gebackenes raus. Der Rauch aus dem Schornstein hebt sich wunderschön vom Sonnenaufgangshimmel ab.
Wir fahren weiter und da ist die Kneipe, die auch vor 2 Jahren bereits leer stand. Direkt daneben ist eine winzige Grünfläche, die früher einer hier bekannten Stiftung gehörte, die ich damals in meiner alten Arbeitsabteilung abwickelte. Dort sollte ein weiteres Gebäude für Obdachlose entstehen, ich habe mich all die Fahrtjahre immer gefragt, wie auf dieser kleinen Fläche ein Haus hinpasst und war ganz gespannt drauf. Jetzt werde ich es niemals erfahren. Nun ist es der Parkplatz von 2 Autos. Mehr passen nicht drauf.
Dafür ist gleich über der Straße das kleine, süße Häuschen in das ich schwer verliebt war, nicht mehr da! Einfach abgerissen… Stattdessen Bagger. Und ein Schild. Hier bauen wir für Sie schöne Eigentumswohnungen. Schade. Wirklich. Ich frage mich wo die Bewohner sind, ob die mit dem Geld jetzt wenigstens einen schönen Lebensabend auf Mallorca verbringen können.
Ein paar Straßen weiter, die Autowerkstatt. Damals war immer schwer was los, bereits morgens. Und früher bin ich mit der Bahn kurz vor 5 Uhr gefahren! Und jetzt? Mitten am Tag kurz vor 9? Komplette Leere. Geschlossen. Ich frage mich, was in diesen anderthalb Jahren passiert ist. Denn 5 Jahre lang lief es dort bombig.
Dann kommt wieder ein Reihenhausgebiet. Das schaue ich mir immer gerne an. Es sind nämlich ältere Häuser und daher sind diese nicht so schmal gebaut, sondern sehen einfach urgemütlich aus. Mit einem großen Garten jeweils dran. Auch da hat sich was getan, eins der Häuser ist komplett offen, da fehlt eine ganze Hausseite, und innen drin ist alles ausgehöhlt. Ich bin gespannt was die da drauß bauen und freue mich das ich einen kleinen Einblick ins Häusle erhasche. Ebenfalls direkt daneben war eine weitere brachliegende Fläche. Dort nun auch ein Schild. Weitere Eigentumswohnungen werden gebaut. Ohje. Dafür ist aus dem Gebäude, wo vorher eine Rettungsstelle mit vielen Krankenwagen war, ein normales Wohnhaus geworden. Stimmt. Auch diese Firma wurde damals von uns abgewickelt. Eine Schande war das.
Dann gehts an 2 Schulen vorbei, die haben sich nicht groß verändert, allerdings die Leute dafür schon, sind eben auch älter geworden 😛 Das Krankenhaus jedenfalls ist auch moderner geworden, die haben einen neuen Eingang, der alte ist nur schlecht verputzt und man sieht ihn noch deutlich. Vor dem Eingang die rauchenden Patienten… Auch das ist leider nicht neu.
Und dann ist da meine Station. Dort war schon immer eine Rolltreppe und eine Treppe. Die Rolltreppe fuhr nach oben. Kein Hexenwerk und schön beständig. Ich stieg aus, stellte mich drauf und wurde zur nächsten Treppe gefahren.
Nun steige ich aus und…. die Treppe fährt nach unten. Häh? Am nächsten Tag steige ich aus und… die Treppe fährt nach oben. Doppelhäh?
Ich habe wirklich (!) 3 Tage gebraucht um rauszufinden, dass ich nicht geistig verwirrt bin, sondern die Bahn sich was ganz „tolles“ neues ausgedacht hat. Jeweils am Rolltreppenende befinden sich so Stangensensorendinger. Wer also zuerst da durch geht, entweder oben oder unten, der hat gewonnen und die Treppe rollt in seine Richtung. Das ist besonders ärgerlich, wenn die Treppe still steht und ich quasi fast durch bin, jedoch von oben einer runterhechtet und ich dann der Depp bin, der am Ende einer falsch rollenden Rolltreppe steht.
Ganz ehrlich, diese Veränderung finde ich echt am allerdämlichsten und unnötig. Was war an einer Rolltreppe die nur in eine Richtung fuhr, bitte falsch? Warum musste man das ändern? Und nirgendswo sonst habe ich so etwas ähnliches gesehen.
Wenn ich dann in meinem Geschäft bin, wieder was neues. Ohne Karte und ohne Schlüssel kommt man dort nirgendswo mehr hin. Auch das ist eine Umgewöhnung, desöfteren lasse ich meinen Schlüssel nämlich gerne im Büro und stehe dann vor verschlossenen Türen. Neben dieser Schließgeschichte sind da noch die Wachleute. Die nun neben einem neuen Outfit auch noch ständig ihre Westen tragen, ich weiß nicht ob es Schusswesten sind, aber sie sehen so wirklich gefährlicher aus. Und obwohl ich die alle noch kenne und wir miteinnander schäkern bleibt da ein schales Gefühl bei deren Anblick.
Ach ja. Und dann ist da noch die Kontrolle. Jeder muss durch ein Durchleuchteding wie beim Flughafen und auch die Taschen werden durchleuchtet.
Auch daran muss ich mich erstmal gewöhnen.
Eine schöne Art der Neugewöhnung ist mein neues Gebäude. Dort gibt es wunderschöne Büros mit Möbeln die nicht ekelgrau sind, sondern einfach warm und holzig. Vor allem jedoch, mit einer Küche in jedem Stock und WARMEN Wasser auf der Toilette zum Hände waschen. Das gibt es im alten Gebäude weiterhin nicht. Ich sage euch, im Winter die Hände unter warmen Wasser waschen zu können, ist ein echter Luxus 😀

Fazit: Auch wenn vieles wirklich gleich geblieben ist und vor allem auch die Leute im Geschäft, während sich hier bei mir so einiges geändert hat, hat sich auch da „draußen“ die Welt weitergedreht. Dinge die 5 Jahre lang gleich waren, haben sich teilweise in anderthalb Jahren rapide verändert. Das ist schon irgendwie Wahnsinn. Vor allem wird einfach sehr viel gebaut. Ich bin sehr froh, das wir in unserem „Dorf“ wohnen, wo zwar auch demnächst fast direkt neben uns weitere Doppelhäuser gebaut werden, aber eben nicht aus jeder brachliegenden Grünfläche riesige Wohnhäuser werden, sondern die Kinder dort noch Abenteuer erleben dürfen.

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2 Gedanken zu „Blick aus dem Fenster

  1. Ich musste grade ein bisschen schmunzeln bei der stelle mit den ekelgrauen möbeln. Das sind nämlich jetzt unsere „neuen“ Möbel 😀

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