Längerer Weg

Ich könnte auch schreiben, dieser Weg wird kein leichter sein- finde das aber ein bisschen sehr pathetisch….
Was ist los? Ich habe festgestellt, dass ich doch noch nicht so einfach nach vorne schauen kann. Und wie kam das? Ich habe Post bekommen. Es war ein etwas dickerer Umschlag. Da ich eigentlich eine Handyhülle erwartete, wunderte ich mich weder noch schaute ich auf den Absender. Hätte ich doch nur…. Denn als ich den Umschlag öffnete, kam mir kommentarlos ein Mutterpass entgegen geflogen. Mein Mutterpass. Mit einer sehr schwangeren Frau drauf, einem lachenden Smiley und einem Plus. Und mit meinem Namen.
Oh Gott. Ich starrte diesen Pass an. Fühlte mich so leer, verhöhnt, verwirrt, geschockt und traurig. Sehr sehr traurig. Und dann musste ich erstmal weinen. Eine ganze Runde lang. Um es noch schlimmer zu machen, blätterte ich ein wenig durch und mir kam das Ultraschallbild entgegen. Das erste und einzige das ich bekommen hab. Mein Baby. Mein Dottersackfruchthöhlenallesistrichtigbaby. (toll, jetzt muss ich wieder weinen…) Wieso durftest du nicht mein Baby werden? Wieso können drogen-und alkoholsüchtige dumme Frauen während der kompletten Schwangerschaft dieses Gift zu sich nehmen und dann gesunde Babys auf die Welt bringen? Wieso durfte ich kein gesundes Baby auf die Welt bringen? Wieso treiben so viele Frauen ihre gesunden Babys MIT Herzschlag ab, nur weil es kein Junge wird oder gerade einfach nicht in ihr Leben passt? Wieso, Wieso, Wieso??? Wieso muss ich immer weinen wenn ich Schwangere und Neugeborene sehe? Wieso kann es nicht einfach gut sein? Wieso fühle ich mich so einsam? Wieso vermisse ich die Übelkeit? Wieso will ich noch ganz oft sagen „weil ich schwanger bin“- und dann bleibt mir der Satz ganz bitter im Hals stecken? Wieso hoffe ich trotzdem noch, das alles nur ein böser langer Traum ist? Wieso, Wieso, Wieso?…..
Bis ich dann irgendwann wütend auf mich selber war und den Pass schnell in eine Ecke warf und da ne Zeitung drüber kippte. Als der Pass dann weg war, wurde es besser.
Doch ich habe gemerkt, ich bin nicht drüber hinweg (kann man das überhaupt je sein?) und es wird wohl noch eine ganze Weile dauern. Heute wäre ich bereits in der 10. Woche…. Hätte, wäre, könnte….

(ich habe kurz überlegt ob ich es überhaupt veröffentlichen soll, ob ich mich überhaupt so „anstellen“ darf, es gibt ja weitaus schlimmere Schicksale und Fehlgeburten, doch ich darf das, denn irgendwie muss ich es ja verarbeiten. Punkt.)

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14 Gedanken zu „Längerer Weg

  1. Es ist ganz egal was anderen passiert, nur weil es möglicherweise “schlimmer“ ist. Nichts, rein gar nichts, schmälert deine Gefühle. Und du musst dich auch deshalb nicht schlecht fühlen. Ich glaube, du hast etwas unglaublich schlimmes erlebt. Du hast jedes Recht traurig, wütend und fassunglos zu sein. Wenn ich könnte, würde ich dir gerne deinen Kummer nehmen! Ich wünsche dir viel Kraft!

    • Ich finde es schade, das man von der ärztlichen Seite aus da irgendwie im Stich gelassen wird. Für die ist das Routine, Alltag und kein persönliches Schicksal. Ich hätte es gut gefunden, wenn jemand gekommen wäre, der sich damit auskennt und mit mir drüber spricht. Aber dieses alleine verarbeiten, das ist schwierig. Weil es einen Beigeschmack von „stell dich nicht so an, so schlimm ist es nicht, sonst hättest du Hilfe an deiner Seite“ hat.
      Als ich damals die Gallensteine hatte, DA kam eine (ehrenamtliche) Betreuerin und hat mir Gesprächshilfe angeboten.
      Seltsam das alles…

      • ein „stell dich nicht so an“ habe ich zwar nicht gehört bekommen damals, aber dafür andere Worte die wirklich fehl am Platz waren … wenn du jmd brauchst um das zu verarbeiten, dann such dir jmd, dem du vertrauen kannst … eine Bekannte war in Therapie und das hat ihr wirklich gut getan …
        aber warum bei den Gallensteinen und nicht jetzt? _das_ kann ich beim besten Willen nicht verstehen …
        ((( )))

      • Ich tippe fast darauf, das es an der Station lag. Bei den Gallensteinen lag ich ja auf einer Inneren und Onkologiestation. Und da die Ehrenamtlichen wohl nicht wissen können warum man da ist, kümmern die sich. Und wohl auch weil ich sehr verweint war, war ja damals total das Drama mit meiner noch gestillten kleinen Maus. Diesmal war ja alles geplant und verplant und somit ich auch viel entspannter, zumindest was Erna betraf.
        Ich schau jetzt mal, wenn ich es nicht schaffe das alleine zu verpacken, dann muss ich mir wohl doch Hilfe suchen. Momentan bin ich zum Glück reichlich abgelenkt, aber gestern fand ich zufällig die zur Seite gelegten positiven Tests. Ich weiß gar nicht was ich damit machen soll….. Wegwerfen geht nicht, behalten aber auch nicht…

  2. Du darfst das, denn ganz egal was andere erleben, es ändert nichts daran wie schlimm es gerade für Dich ist. Und ein Kind verlieren ist hart, vor allem wenn man an die ganzen anderen Mamas denkt, die schließlich auch eins bekommen. Aber Du wirst es schaffen, lass Dir die Zeit die Du brauchst um damit fertig zu werden & mache es so wie es für Dich am Besten ist.
    Alles Liebe ❤

    • Ja, ich werde es schaffen. Aber auch, weil ich das Gefühl habe ich MUSS. Das auch Familiär niemand verstehen würde, wenn ich jetzt z.B. auch noch nächste Woche traurig wäre. Das widerum macht mich erneut verbittert…
      Schwierig. Selbst der Namenslose ist keine wirkliche Hilfe.Klar, für ihn war es ja noch ganz abstrakt….

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