Diese Worte

Man sagt ja „Worte sind schärfer als das Schwert“ bzw. „Worte sind die schärfste Waffe“. Ich finde das stimmt. Klar, es kommt natürlich drauf an von wem man diese Worte hört. Aber manchmal treffen auch gerade die unbedachten (sind sie das wirklich?) Worte von Fremden bzw. Bekannten mehr.

Neulich waren Freunde da. Und während sie auf dem Boden mit Erna spielten und alles super war, drehte sie sich irgendwann nach ner ganzen Weile nach mir um. Einfach um zu gucken ob ich noch da bin. Dann passierte es. Es wurde ausgesprochen.“ Erna ist extrem Mama-fixiert, schlimm ist das“. Das war nicht das erste Mal das ich es hörte, auch nicht das erste Mal von dieser Person. Und trotzdem trifft es mich. Beziehungsweise, es hatte mich getroffen. Inzwischen habe ich ausreichen selbstreflektiert. Warum hat es mich getroffen?

Klar ist, es ist natürlich nicht gerade als Kompliment gemeint. Außerdem fand ich es in gerade diesen Moment total unpassend. Erna hat ganz normal mit beiden gespielt, auch danach wieder. Sie hat nicht gefremdelt (obwohl sie die Freundin dazu erst 2 Mal gesehen hat) oder geweint. Nichts. Einfach nur nach mir geschaut. Und Erna ist die Freundlichkeit in Person. JEDER, wirklich jeder wird angelacht, angestrahlt und angeflirtet. Sie ist total offen. Was mich auch mit stolz erfüllt. Gerade weil wir eigentlich nicht so wahnsinnig viel Kontakt mit diesen Leuten haben.  Und meine Nichte ist (ja IST noch!) viel schlimmer, denn die war schon immer (seit 2 Jahren) wirklich Mama-fixiert und man durfte sie teilweise gar nicht ansprechen.

Aber warum ist das jetzt was schlimmes, diese „Fixierung“? Ich finde es gut, das wir eine Bindung haben. Eine enge Bindung, meinetwegen. Dafür habe ich auch lange gearbeitet. Ja genau. Gearbeitet. Denn das war nicht schon immer da.
Naiv wie ich eigentlich alles angegangen bin, bin ich damals davon ausgegangen das gleich nach der Geburt bereits eine Bindung da ist.
Und wie geschockt ich war. Als man mir Erna (schreiend)  nach der Geburt auf die Brust legte. Und sie nicht wieder aufgehört hat. Und ich die ganze Zeit dachte (ich glaube auch, es war das erste was ich nach der Geburt dachte, gleich nach „sie hört sich an wie ein Schaf, habe ich ein Schaf zur Welt gebracht?“)  – „sollte sie nicht langsam mal aufhören zu weinen, ich bin doch ihre Mutter? Sie muss doch merken das ich ihre Mutter bin und sich beruhigen? Oh Gott, sie hört einfach nicht auf- ich bin die schlechteste Mutter der Welt….“.
Das hat mich verfolgt. Das es nur an den Kopfschmerzen lag, wollte mir lange nicht ins Bewusstsein kommen.
Danach ging es direkt weiter. Sie schlief seelenruhig. Aber nur beim Papa. Frisch geschlüpft wollte sie so gar nichts von mir wissen. Bei mir wurde geweint. Beim Papa geruht.
Tagsüber war sie dann bei meiner Mama und irgendwann hab ich mich auch ziemlich bemüht sie NICHT haben „zu müssen“. Bei den anderen ging es ihr ja offensichtlich super gut.
Ich hatte nicht das Gefühl, sie denkt ich bin ihre Mutter. Oder das Gefühl, ICH denke ich bin ihre Mutter.
Auch die schlimmen Anfangsnächte, wo ich stundenlang mit ihr gelaufen bin, weil sie geschrien und geschrien hatte. Da hätte eigentlich JEDER mit ihr laufen können. Da gab es keinen Unterschied ob Mutter oder nicht.
Sie hat NIE sofort aufgehört zu weinen, wenn ich sie genommen hab. Einfach nur weil ich eben die Mama bin. Das hat mich lange lange verfolgt.

Bis dann eben irgendwann (ich weiß gar nicht mehr wann) der Punkt kam. An dem sie eben doch mein Kind und ich eben doch IHRE Mama wurde. Letztendlich muss ich nüchtern dazu schreiben, ist es eine Sache der Gewöhnung. Logisch. Sonst würde wohl nie jemand Babys adoptieren.
Und da ich eben der Mensch bin, der neben der Milchbar ;D , der die meiste Zeit mit ihr verbringt, bin ich ihr Lebensmittelpunkt geworden. So wie sie meiner. Ganz einfach.
Und ich finde schön das es so ist. Das sie mich braucht, so wie ich sie (wenn auch anders) brauche. Das sie in mir ihren Rückhalt, ihren Ruhepol findet. Das sie nur mit mir so kuschelt, wie sie kuschelt wenn sie müde ist. Das ich eben ihre Mama bin. Und ja, mittlerweile (also schon lange eigentlich) hört sie sogar sofort auf zu weinen, wenn ich sie in den Arm nehme 😉

Und deswegen eigentlich verletzen mich diese Worte. Diese abfälligen Worte. Weil ich lange drum gekämpft habe, diese Bindung aufzubauen und zu spüren. Weil eben nicht von Beginn an alles rosig war und easypeasy von der Hand ging.

Jetzt nach dieser Selbstreflexion kann ich schon wieder ganz anders damit umgehen. Das nächste Mal werde ich einfach stolz sein. Und es als Kompliment sehen. Auch wenn es nicht so gemeint war- aber diese kinderlosen Leute werden auch noch dahinter kommen.

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10 Gedanken zu „Diese Worte

  1. …ich finde, dass hast du schön geschrieben! Und mal ehrlich, ich bin 27 und noch immer ein Mamakind 🙂 ich finde das ist absolut nix schlimmes, sondern kenne viele Freundinnen, die unser gutes Verhältnis immer beneidet haben.

    Ich wünsche dir, dass dein Verhältnis zu klein Erna so bleibt, sogar in all den Jahren vielleicht sowas wie ne Super Freundschaft wird!

    Lass dir sowas nicht einreden und freue dich jeden Tag, dass alles so ist, wie es ist!

    Liebe Grüße!!!

    • Danke dir! 😀
      Boah, da bin ich auch neidisch! Das Verhältnis zu meiner Mama war gelinde gesagt furchtbar… Seitdem ich nicht mehr daheim wohne ist es besser, aber jeder Besuch endet im Streit… wir sind uns halt teilweise ZU ähnlich. Davor habe ich bei der Erna auch große Angst. So ein Gilmore Girls Verhältnis wäre ein Traum 😀

      Ganz liebe Grüße zurück! Inklusive Daumendrücker!

  2. Im Gegenteil: so eine Bindung ist das Wichtigste überhaupt. Nur so kann das Kind Selbstvertrauen gewinnen und sich unerschrocken den Herausforderungen der großen fremden Welt widmen. Also lass Dich nicht ärgern von den nicht durchdachten Ausrufen anderer. Vielleicht sind sie nur neidisch 😉
    LG Wiebke
    P.S.: Sie schrie wie ein Schaf? Ist ja genial!

    • Ich bin mir sicher, teilweise ist auch Neid dahinter. Klar. Derjenige versucht seit 3 Jahren Papa zu werden….

      Ja hat sie „määhmääh“- werd ich nie vergessen 😀

      Liebe Grüße zurück 😀

  3. es ist so. als kinderlose kann man sich manche dinge einfach nicht vorstellen. (allerdings finde ich diese worte, in der von dir beschrieben situation sehr komisch! sich umzudrehen ist doch keine fixiertheit.. jedenfalls nicht in meinen augen ;-).)
    ich erzähl einfach mal wieder, was ich erlebt habe. also der kleine mann war mit 10 monaten bei uns. für einen tag und eine nacht. ich wollte der mama ruhe gönnen. ich wußte er schreit viel, aber ich dachte irgendwie, warum auch immer, wenn er bei uns ist, wird er das schon nicht machen. wie blöd ich doch war. er schrie natürlich auch bei uns. IMMER. auf dem arm, beim spielen, einfach immer. ich könnte ihn auch nicht beruhigen. auch nicht getragen auf dem arm. ich war also zum ersten (und einzigen mal froh), als er schlief. er hat auch durchgeschlafen (durchschlafen heißt in meiner welt, dass er in der ganzen zeit in der ich schlief, auch schlief ;-)). wir haben ihn dann gleich morgens nach dem essen wieder bei der mama abgegeben. das nächste mal als ich dann bei ihr war, hatte sie ihn in der manduca und ich sagte zu ihr, dass es kein wunder ist, dass er immer so schreit, wenn sie ihn nur trägt. in dem moment wußte ich natürlich nicht, was ich angerichtet haben könnte. sie hat mir auch nie was gesagt, bringt ihr kind gerne. sie ist halt meine person und sie liebt mich. auch mit meine fehlern. aber dadurch, dass ich blogs lese und viele halt schreiben wie dahingesagtes aufgenommen wurde, muss ich immer wieder an diesen moment denken. heute weiß ich übrigens, dass er in einem schub steckte und ich hätte nichts weiter dazu gesagt. im grunde brauchte sie diese auszeit einfach sehr dringend und dafür bin ich da. auch wenn ich weiß, er ist gerade krank, darf er dennoch jederzeit kommen. auch über nacht. worauf wollte ich eigentkich hinaus? ich glaube auf nix, ich wollte wieder nur eine schmankerl aus meinem leben erzählen ;-). ich fand deine erklärung übrigens sehr rührend und danke dir immer wieder, dass du uns einen wirklichen und ehrlichen einblick gewährst :-*

    • Oh ja, ähm, also ohne dir zu Nahe treten zu wollen- aber DAS war wirklich gemein was du gesagt hast…. trotzdem toll wie deine Freundin drauf (oder eben nicht ;D ) reagiert hat. Das mache ich übrigens auch ganz oft, schlucken, sich seinen Teil denken und warten bis der (bisher kinderlose) Gegenüber in der gleichen Situation ist und DANN nachtreten (das kann ich gut, Sachen nachtragen ;D )
      Denn just am Freitag durfte ich mir von MEINER Freundin anhören, wie lange ich denn bitte mein Kind noch in unserem Bett schlafen will, mit vorwurfsvollem (!) Ton meinte man mich belehren zu müssen, das Kind MUSS doch jetzt mal da raus…. Ich habe wie gesagt nur geschluckt…. auch wenn ich was passendes auf der Zunge hatte, aber da die Freundin nun erstmal eine Kinderwunschpause einlegt und extrem gestresst und deprimiert ist- wäre das echt böse gewesen.

      Was ich aber absolut total genial und echt toll von dir finde und somit nun auch sicher weiß das du eine tolle beste Freundin für deine beste Freundin bist- diese Übernachtungsgeschichte! 😀 Echt! Das hab ich so jetzt noch NIE NIE NIE mitbekommen oder gehört- mal die Großeltern die einspringen, ja- aber die Freundin noch nie! Ganz groß finde ich das!
      Wobei mich ja der tatsächliche Erholungsfaktor deiner Freundin interessieren würde- da sie bestimmt ihr Kind über alles vermisst hat 😛

      • ob sie nachtreten wird, werde ich berichten. meine vermutung ist eher nein ;-). was ich damit eher sagen wollte ist, dass nicht jeder es böse meint oder mit abrsicht macht. mir sitzt dieser tag immer noch in den knochen und wenn er erst 18 ist, werde ich ihm echt die leviten lesen :-D.

        ich würde jetzt gerne offen schreiben, dass sie ihn eigentlich nie vermisst, wenn er bei mir ist. aber das verstehen die wenigsten,d arum lasse ich das mal ;-). es ist bisher einmal vorgekommen, dass sie nachts nicht schlafen konnte. an dem abend habe ich ihn nicht gehört (DAS darf er mir dann in 16 jahren vorhalten 😎 ). ansonsten weiß sie glaube ich, dass ich gut aufpasse. ich bin ängstlicher als sie. sie bringt ihn mir auch, wenn er krank ist. nene, sie muss da echt schon vertrauen haben.

      • Ich glaub auch nicht das sie nachtritt- dafür unterstützt du sie ja zu sehr!
        Hast du ihn öfter über Nacht? Krass. 😀
        Was sagt eigentlich dein Mann dazu? Findet der das auch immer ne gute Idee? 😀
        Ich glaub auch, „Fremde“ sind immer ängstlicher beim Babysitten, wenn dann ausgerechnet DANN was passiert…

  4. ja genau! wie oft ich am anfang über ihm gestanden habe und guckte, ob er noch atmet. also unsere freundschaft verkraftet viel, aber DAS würde sie nicht überstehen. darum darf ihm bei uns nie, nie, nie was passieren.
    der mann hat nichts dagegen. er ist beim letzten mal sogar aufgestanden. aber als der kleine dann nur mama gerufen hat, wußte ich, ich bin gefragt. und so war es dann auch. der große mann meinte am nächsten tag dann, dass das so ein „weiche brust“ ding ist. ich meinter ja eher, dass ich meiner freundin so ähnlich bin, dass der kleine mann den unterschied nicht merke. oder aber ich gar als mamaersatz akzepiert wurde. 😀

    hmmmm, also wir hatten ihn das erste mal mit 4 monaten. dann regelmäßig 1 mal im monat über nacht. das hörte auf als mein kleid im „kinderzimmer“ hing und setzte dann im novermber wieder ein und wir sind wieder bei einmal im monat.
    am anfang war er jeden freitag bei mir. aber das hörte mich wechsel des jobs leider auf. jetzt schaffe ich das nicht mehr. er muss um 16:00 von der kita abgeholt werden und da arbeite ich noch. och versuche das jetzt mal auf sonntags zu legen, wenn der mann mit studium fertig ist. dann fahren wir in den zoo oder machen ganz andere tolle tanten-kleiner mann sachen. da freu ich mich drauf.

    • Das glaub ich dir aufs Wort, ich hatte auch jedes Mal Schiss wenn ich auf den Neffen aufgepasst habe. Die erste Busfahrt, alter Schwede. Da ließ er dann an der Haltestelle einfach meine Hand los und war weg. Das war ne riesige Kreuzung. Wenn ich nur daran denke wird mir ganz anders.

      Da freut er sicher aber wenn er so eine tolle Tante mit regelmäßigen Besuchszeiten hat. Das ist ja echt richtig spitze! 😀
      Ich frage mich, warum ich niemanden für sowas habe 😦
      Meine einzige Möglichkeit mag zur Zeit wegen eigener Kinderlosigkeit keine Kinder mehr. Auch sehr bitter irgendwie 😦

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