Damit geht dann auch diese Ära zu Ende

Ich habe abgestillt. Puff. Vorbei. Einfach so und plötzlich. Schon immer wieder mal gab es halbherzige Versuche meinerseits. Denn seien wir ehrlich, es gab Tage da stillte ich nur einmal. Und das auch nur, weil ich Erna irgendwie tagsüber zum schlafen kriegen wollte.
Dann beschloss ich, aufzuhören. Und Erna wurde krank. Da ich nur über das Stillen irgendwie Flüssigkeit in das Kind bekam, habe ich also wieder ständig meine Brust rausgeholt. Das führte sogar zu einem zeitweiligen erneuten Milcheinschuss 😯
Dann kam der Dienstagmorgen der alles veränderte. Bereits in der Nacht zum Sonntag und Montag Vormittag hatte ich schon wahnsinnige Bauchschmerzen. Die ich nicht wegatmen konnte, die ich nicht ignorieren konnte. Da ich aber keine Zeit mehr habe, mich ständig selbst zu reflektieren wurde es einfach ignoriert und der Alltag ging „normal“ weiter. Ich versuchte ganz verschiedene Wehenveratmungstechniken. Nichts half. Irgendwann wurde es wieder besser. Ich wunderte mich nur bereits letzte Woche warum mein Rücken immer so weh tat und vor allem meine rechte Schulter.
Als dann Montags halb 6 der Wecker des Namenslosen klingelte, war das offensichtlich auch der Weckruf für die schlimmsten Schmerzen ever. Ever ever ever. Und man kann es nicht mal mit Wehen vergleichen, denn Wehen lassen einem zumindest zwischendrin Erholungspausen und man kann sie veratmen.
Doch diese Schmerzen- so welche hatte ich noch nie. Ich lag kalt schwitzend und zitternd auf dem Badboden. Kopf gegen die kühlen Fliesen. Gekrümmt, mit den Händen, eher mit den Nägeln, versuchte ich Risse in die Fliesen zu kratzen. Ich hielt mich immer mal wieder zwischendrin am Waschbecken fest. Ich nahm 2 Paracetamol auf einmal. Die ich sofort wieder erbrach. Nach kurzer Beruhigung, erneut. Das gleiche Spiel. Ich stöhnte, ich jammerte, ich war nicht wiederzuerkennen. Das war eindeutig NICHT normal, keine normalen Bauchschmerzen, das wusste ich bereits am Wochenende.
Der Namenslose- immer mit der besorgten Erna auf dem Arm- wusste auch nicht weiter. Wollte mich wahlweise ins KH fahren oder den Notarzt anrufen. Da ich eine Fahrt nicht überlebt hätte (sowieso dachte ich, es ist bald aus) rief er die 112. Dort bekam er zu hören, das es nicht lebensbedrohlich sei (woher wollte der am anderen Ende der Leitung das eigentlich wissen??) und er deswegen KEINEN Rettungswagen schickt, er aber einen Arzt mit einem Taxi vorbe schicken könne- der brauche so 30 Minuten und könne mir Schmerzmittel geben. Da ich Tabletten ja nicht behalten kann, entschieden wir uns für den Arzt.
Nach ewigen 30 Minuten kam er dann auch- zum Glück nicht mit dem Taxi (das wäre dann auch sehr teuer geworden) sondern mit nem Malteser Auto. Der Arzt- oh mein Gott- konnte nicht wirklich gut deutsch. Ich verstand ihn nicht, und er verstand mich nicht. Und so Leute retten Leben?? Wie soll das gehen?
Generell bin ich nach meinem Erlebnis sehr enttäuscht vom Rettungssystem.
Er fragte mich, ob ich Nieren-oder Gallensteine hätte. Ich pampte ihn an, woher ich das bitte wissen soll?? Dann meinte er, ich war ja schwanger und da wurde Ultraschall gemacht. Ja- vor einem Jahr und nur in der Gebärmutter!
Letztendlich gab er mir dann endlich eine Schmerzspritze, nachdem er immer wieder nach meiner Versicherungskarte verlangte- weil er nicht verstanden hat das ich keine habe.
Sein Autofahrer rief dann im KH an um einen Krankenwagen zu organisieren, da Verdacht auf Gallenkolik vorliegt. (zum Glück rief er an, sonst wären die hier nie angekommen)
Und nach nur einer Stunde *ironie* kam er dann auch (man muss wissen, eigentlich braucht man 10 Minuten ins KH und wir wären also dreitausendmal schneller gewesen, wären wir selber gefahren)
Ich lief den Leuten also entgegen (was sie sehr verwunderte) und wir fuhren los. Der Namenslose blieb mit Erna daheim. Die Fahrer schimpften sehr mit dem Telefonmenschen der 112- denn der hätte bei einer Gallenkolik sofort nen Rettungswagen schicken müssen…
Dann landete ich auf der Notaufnahme. Wieder 20 Minuten dort (immerhin in nem Behandlungsraum) warten. EKG, Blutabnehmen, pinkeln, Befragung. Dann sollte ein Ultraschall (na endlich) gemacht werden. Ich glaube, bis zum Ultraschall hat niemand diese Gallengeschichte wirklich Ernst genommen- mir wurde gesagt ich habe weder das Alter noch die Statur dafür.
Für den Ultraschall wurde ich einmal alleine (!?) durchs KH geschickt und musste wieder warten. Dann kam ich dran. Und tatsächlich, zwar kein Stein in der Galle, aber der Gallengang ist sehr erweitert. Was für einen spontanen Abgang des Steins sprechen kann, man wolle aber kein Risiko eingehen. Auch die Laborwerte zeigten sehr hohe Leberwerte an. Der Ultraschallerchefarzt schrieb einen Brief- stationäre Aufnahme….
Ich rief den Namenslosen an und heulte nur noch. Ich konnte doch nicht im KH bleiben!!?? Was ist mit Erna? Sie ist krank- sie braucht mich- und Nachts ja sowieso….
Total verheult kam ich wieder in die Notaufnahme. Dort saß bereits eine Ärztin die mir den Eingriff erklärte und mich unterschreiben ließ. Ich weinte wieder. Sie verstand meine Situation und rief irgendwo an (bis dahin war noch nichtmal klar WANN der Eingriff erfolgen soll), damit ich zumindest HEUTE noch dran komme. Ambulant ginge es jedoch nicht, da man meistens danach sehr hohes Fieber bekommt.
Ich wurde auf die Station geschickt- Innere Medizin UND Onkologie. Na Bravo… Ein Einzelzimmer gab es auch nicht mehr, so kam ich in ein DREIbettzimmer mit ner hundertjährigen und ner verwirrten hmm 80 jährigen. Toll. Nicht. Vorher habe ich im Gang der Station der Schwester von meiner Tochter vorgeheult und da kam eine hochschwangere Ärztin vorbei, die mich verstand und alles noch mehr beschleunigte. Somit durfte ich bereits am Vormittag mit dem Eingriff rechnen.
Ich saß dann auf meinen Bett, AUF der Bettdecke (ich fühlte mich null krank), ging auf den Balkon raus (einzig positive, es gab ne riesigen Balkon an jedem Zimmer) und weinte wieder ins Telefon. Der Namenslose sollte mir Sachen bringen, meine Mama sollte kommen und und und. Ich ging wieder los und kaufte mir ne Fernsehkarte. Hatte so so Durst, durfte aber nichts trinken. Habe zwischendurch echt tragische Krebsgeschichten mitbekommen…
Ich vertrieb mir irgendwie die Zeit. Dann kam die Schwester (wirklich eine Seele von Mensch!!) zum Aufnahmegespräch der Verwirrten. Irgendwann klingelte ihr Telefon und ich sollte zum Eingriff gefahren werden. Sie bestand darauf das ich ins Bett krieche und schob mich durchs halbe KH (ich hätte auch gut einfach da hin laufen könnnen…) , versicherte mir, sobald ich fertig bin komme ich in das Einzelzimmer und hab ne Milchpumpe neben dem Bett stehen.
Dann, der Eingriff. Ein 3 Meter Schlauch mit Kamera wurde mir durch den Mund, Speiseröhre, Magen in den Zwölffingerdarm gesteckt. Unter Vollnarkose klar. Eigentlich sollte es ca. 20 Minuten dauern. Um 12 Uhr ging es los. Ich hatte solche Angst…
Aufgewacht bin ich dann kurz vor meinem Zimmer (also wurde ich noch schlafend wieder durchs KH zurückgeschoben) und das erste was ich sah war der Namenslose mit Erna. Aber ich war noch sehr neben der Spur und eigentlich wollte ich lieber weiterschlafen. Es dauerte ne ganze Weile bis ich wieder klar im Kopf war. Als ich auf die Uhr schaute war es kurz vor 14 Uhr. Das hat dann doch viel länger gedauert als geplant. Der Namenslose schwirrte umher auf der Suche nach Antworten. Aber alle waren Mittag essen. Mir ging es besser und besser und Erna drückte mich ganz feste an sich. Man hat richtig gemerkt wie froh sie war, wieder ihre Mama zu haben. Wir sind dann alle essen gegangen und ich war sehr sehr neidisch auf die Pizza der beiden. Ich hatte Hunger und Durst. Für mich ein ziemlich gutes Zeichen. Nachdem meine Familie wieder gegangen ist, bettelte ich die Schwestern um essen und trinken an und wollte den Zugang endlich raus haben. Ich richtete mich häuslich ein, endlich ein Zimmer MIT Dusche, leider ohne Balkon. Aber passt. Und ich freute mich fast sogar ein bisschen drauf, Ernafrei zu haben und mal ne Nacht schlafen zu können ;D
Dann kam die schwangere Ärztin, erklärte mir das man SteinE gefunden und mit nem Fangkörper rausgeholt hat, sie aber mit dem Chefarzt sprechen würde, damit ich trotzdem noch heute heim kann. Essen aber noch nicht. Ich schlief ein paar Mal ein, wurde von irgendwelchen Leuten unterbrochen und dann kam 15 Uhr der Chefarzt. Der wollte mich eigentlich nicht gehen lassen „entgegen ärztlichen Rates und einzig der Ausnahmesituation wegen der Tochter geschuldet“ , vor allem da die Bauchspeicherdrüse anscheinend touchiert wurde und man Angst hätte- diese entzündet sich. Auch meine Bauchschmerzen die ich jetzt wieder hatte, deuteten darauf. Ich solle jetzt bis 18 Uhr da bleiben und wenn alles gut geht, darf ich gehen. Also weiter schlafen. 17.30 Uhr kam eine Schwester mit dem Abschiedsbrief und meinem Abendbrot (?) und meinte ich darf dann gehen. Ich rief den Namenslosen an, der machte sich (sehr sehr froh, denn Erna war sehr unleidlich, übermüdet und nur auf seinem Arm halbwegs ruhig- so das er links die Erna trug und mit rechts 9kg Kisten Äpfel stapelte, denn absetzen ließ sie sich auch nicht) auf den Weg. Ich trank nur den Tee, packte die Brote aber für Erna ein und wollte mit noch abmelden- aber keine Schwester weit und breit zu sehen. Also bin ich einfach gegangen.
Erna hat sich sooooo gefreut. Die Rückfahrt wurde zur Tortour und danach war mir nur noch schlecht. Nicht gut, denn bei erbrechen, Fieber oder Bauchweh sollte ich sofort wieder zurück ins KH. Erna tragen ging auch nicht.
Die Milchpumpe habe ich im KH nicht angerührt, hatte nicht das Gefühl sie zu brauchen. Als wir Erna bettfertig machten und ich auch baden ging (während er Namenslose das Kind ohne Probleme das erste Mal überhaupt zum einschlafen brachte) fiel mir im Spiegel auf, wie klein meine rechte Brust auf einmal war. Und wie leer. Mein Körper (doch sehr schlau) hat offensichtlich einfach von selbst keine Milch mehr produziert.  Ich hätte glaube nicht mal stillen können, wenn ich es gewollt hätte. Gar nicht so schlecht.
Erna schlief sehr sehr gut heute Nacht, nur 2 Mal wachte sie auf, beruhigte sich aber sofort wieder beim Papa (also hätten die beiden die Nacht doch ganz gut überstanden, auch wenn er Erna nur ein einziges Mal (!) tagsüber die Windel gewechselt hatte und sie doch sehr froh war daheim spielen zu dürfen und die Mama sitzt daneben).
Ich hab mich kurz nach 9 dazugelegt und hab dank Erna auch ganz gut schlafen können. Schmerzfrei (!) bin ich heute aufgewacht. Auch wenn wieder Übelkeit vorhanden war. Allerdings war ich noch sehr sehr kraftlos und konnte Erna nicht in den Schlaf tragen- die wieder doller erkältet und total müde war. Fix und fertig wartete ich also bis der Namenslose endlich kam- der trug die Erna wieder in den Schlaf und ich probierte ein Toastbrot und Fencheltee.
Der Namenslose machte mir noch ein Müsli (das Toast tat beim schlucken doch noch sehr weh) und Erna schläft seit 2 Stunden. Mir geht es besser und besser und auch die Übelkeit ist nach dem Essen verschwunden. Fit bin ich zwar noch nicht wieder, aber es wird.
Und das mit dem Abstillen ging dann doch problemloser und schneller als gedacht. Ich bewundere meinen Körper dafür. Richtig so.

Der Arzt meinte übrigens, die Gallensteine müssen sich in der Schwangerschaft (das passiert wohl öfter) gebildet haben und eigentlich hätte ich schon viel früher was merken müssen und bevor ich wieder anfange irgendwelche Zeichen zu ignorieren soll ich mich doch bitte auch mal um mich selbst kümmern. Wahrscheinlich wird es wieder passieren. Denn bildet die Galle einmal Steine, tut sie es zu 90% wieder. Wahrscheinlich muss mir die Galle entfernt werden. Ja okay. Aber irgendwann. Und irgendwann geplant. Wenn Erna schon viel viel größer und Ablenkung organisiert ist.

Ich danke euch allen für die Genesungswünsche und werde mich jetzt wieder hinlegen. Der Hals tut noch weh, besonders beim Schlucken, und man merkt eben einfach das da was in einem drin passiert ist und muss sich erholen.

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15 Gedanken zu „Damit geht dann auch diese Ära zu Ende

  1. Hui, mit drei Anläufen endlich geschafft zu Ende lesen.
    Oje, das ist ja ein großer Mist, den du da durchmachen musstest!! Ich freue mich aber, dass es dir endlich wieder besser geht und drücke die Daumen, dass so schnell kein neuer Gallenstein vorbei kommt!!

    Auf jeden Fall ein guter Hinweis, mal wieder mehr auf seinen Körper zu hören. Leider ja nicht immer so möglich mit Baby oder Kleinkind.

    Liebe Grüße!

  2. Ich dachte hier kommt ne nette Abstillstory und dann dieser Krimi!
    Frau Badeente, was geht denn bei Ihnen!
    Ich hoffe, dass du nun nicht weitere Steine bekommst und es dir sehr bald wieder ganz gut geht und du deine neu gewonnene Milchbarlose Freiheit genießen kannst.
    Liebe Grüße und einen dicken Drück!

    • Naja, ist ja ne nette Abstillstory ;D Irgendwie zumindest.

      Stillst du eigentlich noch? Hab mich schon die ganze Zeit gefragt, ob das überhaupt geht- schwanger und stillen. (wegen mir, ne- hat sich ja aber dann doch erledigt)

      • Ja, ich stille und nach wie vor viel.
        1 Mal morgens, vorm mittagsschlaf, 1 mal nachmittags, zum einschlafen abends und manchmal nachts. (Und manchmal zwischendurch, so bei Zahn- oder Weltschmerz beim Söhnchen…)
        Es geht super.
        Und mal sehen, wenn der Babysohn nicht von selbst aufhört und ich körperlich fit bin, stille ich vielleicht sogar beide.

      • Aber der Kleine liegt doch dann beim stillen auf deinem Bauch, oder nicht? Das stell ich mir für ganz viel später (so in 10 Wochen) sehr anstrengend vor.
        Trotzdem find ich das sehr cool das ihr da euer eigenes Ding durchzieht- und es sich (zumindest liest es sich so ;D ) so nahtlos und unkompliziert alles durchziehen lässt 😀

  3. Das klingt nach einem absoluten Horrorerlebnis. Ich hoffe dir geht’s wieder besser und du wirst jetzt erstmal mit Gallensteinen verschont, bis du Zeit hast sie entfernen zu lassen. Das klingt echt wahnsinnig schmerzhaft :/
    Ist Erna wenigstens wieder gesund?
    Lg und noch eine gute Besserung!

    • Das war es auch 😦
      Ja das blöde ist halt, das ich ganz genau weiß der Mist kommt ganz sicher wieder und somit auch wieder ein Aufenthalt im KH aka Altersheim 😦 Und dann ja vielleicht für wirklich mindestens 3 Tage— da darf ich gar nicht dran denken….
      Erna ist wieder ziemlich fit, nur manchmal schnarcht sie noch (sooo süß- ganz der Vater :D) und 3-4 Huster am Tag sind auch dabei.

      Danke, Danke und ganz viele liebe Grüße zurück!

  4. Kann man denn sagen, in welchem Abstand die Steine sich bilden?
    Ich lag auch mal drei Tage im Krankenhaus wegen einem Nierenstein. Um mich herum nur alte Männer 😀
    Das freut mich, dass es Erna wieder besser geht. Dir hoffentlich auch?

    • Hmm, gute Frage.. Das hätten die mir bestimmt sagen können, aber ich geh z.B. jetzt fest davon aus spätestens in der nächsten Schwangerschaft nochmal welche zu kriegen. 😦
      Ohje- du Arme!! Gehört das dann zur Urologie? Krass. Nen Nierenstein hab ich ja auch noch. Mal gucken ob ich den von alleine rauskriege *spannung*

      Mir gehts ehrlich gesagt so lala, habe gestern ein Eis *verboten* gegessen und hab die Retourekutsche aufs Wort bekommen- erinnerte doch sehr an Dienstag 😯
      Wenigstens habe ich jetzt daraus gelernt, den Anweisungen der Schonkost doch noch ne Weile zu folgen *gnah*

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