Scary Moment

Und dann war da noch dieser Moment, am Samstagnachmittag, kurz nach einsetzen der Dämmerung. Ohne jetzt wirklich einen konkret konkreten Anlass, hatte ich urplötzlich richtige AngstPanik bis Todesangst. Dieses Gefühl hatte mich instinktiv so dermaßen überwältigt, das kenne ich sonst nicht von mir.
Dazu muss man wissen, wir wohnen jetzt in einer Sackgassenstraße, deren Ende auf ein landwirtschaftlichen Weg die Weinberge rauf führt. Eigentlich eine sehr schön Spazierstrecke. Man läuft eine ganze lange Weile geradeaus, dann kommt eine Kurve und wenn man wieder eine Weile läuft, kommt man irgendwann wieder an Häusern an- unsere Nachbarstraße.
Jetzt liegt der Weg nicht nur idyllisch, sondern führt verbotenerweise auch zur Nachbargroßstadt. Schnell und ohne Ampel. Das verführt natürlich entsprechend und somit ist unsere Anliegerstraße eher eine Durchgangsstraße für Schnellmaldahinfahrer.
Ärgern tut mich das schon lange gewaltig, denn dieser landwirtschaftliche Weg ist gerade schmal genug für ein Auto. Wenn man also (mit Kinderwagen oder ohne) dort spazieren geht, kommen oft diese Idioten ANGERAST (man muss ja die Straße schnell hinter sich bringen, ne!) und interessieren sich null wohin der bekloppte Fußgänger jetzt ausweichen soll. Meistens reicht es gerade so um in die Seite zu springen und froh zu sein, nicht gleich den Berg runterzukullern. Deswegen kriegen die Autofahrer auch immer sehr sehr böse Blicke und Gesten von mir, gerade wegen E.
Es ist wirklich dreist.
So.
Diesen Samstag also wollte ich gegen halb 5 gerade noch beim letzten Tageslicht doch auch mal Kind 3 anschauen und wählte eben, da wir das mit dem spazieren verbinden können, diesen langen Weg. Mal wieder fuhren Autos vorbei und wie üblich warf ich mit Giftblicken nur so um mich. Dann fuhr wieder ein silberner Wagen vorbei. Ganz langsam. Seltsam. Der Fahrer stierte aus dem Fenster in unsere Richtung. Ich nahm es zur Kenntnis und lief weiter. Als ich noch vielleicht 3 Minuten vor der Kurve war, sah ich. Genau dieses Auto stand MITTEN IN DER KURVE (wie blöd eigentlich, wenn da jemand entgegenkommt oder so). Der mit Abstand seltsamste Parkplatz. Denn ein paar Meter weiter hätte man das Auto gut abstellen können ohne andere Leute zu behindern. Der Fahrer selbst stand NERVÖS rauchend vor dem Auto. VOR dem Auto. Immer mal wieder schaute er uns kurz an, drehte den Kopf dann aber wieder blitzartig weg und starrte in die Luft.
Und dann kam es. Dieses Angstgefühl. Der einsame Weg. Niemand war da, außer E. und ich und der Autofahrer. Der mit laufenden Motor in der Kurve stand. Der Punkt, der am weitesten von den Häusern beider Straßen entfernt war. Der Mann, der nervös eine rauchte.
Selbst wenn ich das jetzt hier so wieder reflektiere, bekomme ich erneut Bauchgrummeln und Gänsehaut.
Erst habe ich mein ungutes Gefühl ignoriert. Jedoch mein Handy deutlich sichtbar ans Ohr gehalten und getan als ob ich telefonierte.
Aber je näher ich kam… Meine Tochter in der Manduca geschnallt. Fast bewegungsunfähig und sehr träge. Auf jeden Fall Verteidigungsunfähig. Mein Gefühl wurde ich überwältigender und mir wurde schon richtig schlecht vor Angst. Denn wenn uns hier jemand wegfängt, da findet uns keiner. Niemand wusste das wir hier langlaufen, um diese Uhrzeit. Niemand würde uns hören. Ich hätte Chance wegzurennen.
Ich entschied mich dann spontan meinem Gefühl nachzugeben und drehte blitzartig um und ging (bergab zum Glück) so schnell mich die Füße tragen konnten wieder zurück.

Ich sage nicht, dass was passiert wäre. Ich sage auch nicht, das es eindeutige Signale gegeben hat.  Aber so ein Gefühl, das ich bisher nie hatte und wir laufen den Weg täglich, war doch arg eigenartig. Und ich muss vor allem nicht vorsätzlich seltsame Situationen begehen. Schon gar nicht mit E
Und wie sagt man so schön „Gelegenheit (!!) macht Diebe“

Ich habe dann am Abend dem Namenslosen davon berichtet. Der fand das im übrigen auch sehr seltsam. Wahrscheinlich muss man diesen Weg kennen um es nachvollziehen zu können- aber da einfach den Wagen zu halten (mit Motor) und AUSZUSTEIGEN um zu rauchen, mitten in der Kurve. Das ist einfach nicht normal.

Jetzt habe ich natürlich dementsprechend Schiss wieder da lang zu gehen, denn der Weg ist ja nun wirklich weder beleuchtet, noch belebt, noch hört dich da wer. Also suche ich mir jetzt nen anderen Spazierweg bis ich mich wieder beruhigt habe. Doch so schnell wird das wohl nicht klappen diesmal, dafür habe ich dieses Gefühl zu stark erlebt

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4 Gedanken zu „Scary Moment

  1. Natürlich kann man nicht sagen ob tatsächlich was passiert wäre. Aber ich finde man muss es ja nicht unbedingt ausreizen. Und manchmal muss man einfach auf sein Bauchgefühl hören und auf den Instinkt hören 🙂 hast du dir denn das Kennzeichen gemerkt?

    • Ja schon. Ich glaube, und das ist es was ich gestern gar nicht in Worte fassen konnte, schlimm ist eben einfach gewesen zum ersten Mal festzustellen wie schnell man eben in so „Situationen“ kommen kann, ohne drüber nachzudenken. Und eigentlich muss man eben genau deswegen ein gewisses Vertrauen „es wird schon alles gut gehen“ haben- gerade in Zeiten in denen nahezu täglich was von Gewaltverbrechen zu hören und zu lesen ist

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