Lanze brechen

Schon lange mal wollte ich was zum Thema Zufüttern schreiben. Ich kann nämlich überhaupt gar nicht (!) nachvollziehen, warum das bei so vielen Frauen und Müttern und sonstwem ein rotes Tuch ist. Überhaupt nicht!
Anfangs war ich genauso, „schlau“ aus vielen Schwangerschaftsratgebern und auch Blogs, hatte ich meine vorgefertigte Meinung und war nicht davon abzubringen.
Es lief ja alles gut. Nach der Geburt. Das Muckelchen zwutschte an der Brust, es kam ein mini-mikroskopisch-winziges bissel raus. Ich war stolz, Kind schlief. Toll. Die erste Nacht war traumhaft, das Baby schlief super.
Für mich also das Thema Ernährung erledigt.
Doch dann. Am zweiten Tag, kam immer noch so gut wie gar nichts, okay, gar nichts aus mir raus. Normal- dachte ich.
Mein Baby wusste anscheinend jedoch nicht, das es normal ist. Denn bereits in der zweiten Nacht hatte sie Hunger. Sie hatte nicht nur Hunger, sie hatte MORDSHUNGER. Ständig musste ich sie anlegen, es kam ja leider nichts, sie schrie. An der Brust und auch sonst überall. Ganz arg schlimm war das. Meine Brustwarzen wurden blutig und es tat einfach auch nur noch höllisch weh…Und neben dem Schreien, knurrte auch ständig ihr Magen. Das war dann der Punkt, an dem ich anfing zu weinen. Ich hörte die ganze Nacht nicht mehr auf. Was war ich für eine Mutter? Ich konnte nichtmal mein eigenes Kind ernähren???
Auch die mehrfach gerufene Nachtschwester brachte nichts. Erst kam sie nach 45 Minuten (mein armes Kind, ich könnte heute noch heulen) und dann wurde es sehr grob am Kopf gefasst um es an die Brust zu docken. Nichts. Sie spuckte immer wieder aus, bekam die Warze nicht richtig zu greifen.
Die Frühschwester dann, brachte das Wort Zufüttern in den Raum. Ich raunzte sie an, das ich das bestimmt nicht machen werde.
3 Stunden später, war meine Verzweiflung und auch die des Babys größer als der Mount Everest. Ich war zu allem bereit. Also rief ich die Schwester erneut. War ja klar, das die dann die Augen rollte oder?
Sie schickte mich zum pumpen (dagegen hatte ich mich nachts ebenfalls, warum auch immer, vehement gewehrt) und brachte eine Spritze und fertige Milch. Der Namenslose fütterte in meiner Pumpzeit das Muckelchen.
Als ich wiederkam, es war der mit Abstand schönste Moment, sah ich ein sattes und zufriedenes Baby. Fix und fertig von der Nacht, aber endlich endlich nicht mehr hungernd.
Ich weinte dann gleich noch einmal.

So ging es dann weiter, es dauerte ziemlich bis bei mir sowas wie Milch und dann auch noch in ausreichender Menge kam. Erst am 3. Tag daheim war es genügend.
Also fütterten wir immer zu.
Und ich war so dankbar und so froh darüber. Mein Baby litt keinen Hunger und ich konnte trotzdem noch stillen.

Ja, ich würde es immer wieder so machen. Ich versuche auch heute noch (sehr selten) etwas zuzufüttern. Immer dann wenn wirklich nicht so arg viel bei mir raus kommt oder ich das Gefühl hab das Kind wird so gar nicht satt. Ich hab auch kein schlechtes Gefühl dabei.
Doof ist nur, die Schnutenkönigin wird ihrem Ruf und ihrem Amt mehr als gerecht, und weigert sich das zu trinken. Es schmeckt offensichtlich nicht so gut und vor allem nicht so süß wie die Muttermilch. 😀

Bisher reicht meine Milch anscheinend, auch wenn ich gar nicht mehr messen kann, aber mein Baby ist rund (oh ja! :D) und gesund und alles ist gut.
Dank des zufütterns. Denn so hab ich mir selbst auch keinen Stress gemacht und hab wahrscheinlich extrem stresslos die Milch bekommen.
Vor allem aber auch, schmerzlos. 😀

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4 Gedanken zu „Lanze brechen

  1. Ich verstehe den ganzen Heckmeck ums Zufüttern auch nicht.
    Es gibt nun mal Leute, wo es nicht klappt und es kann auch dauern bis die Milch kommt!
    Bei mir hieß es, dass durch den hohen Blutverlust die Milch bis zu ner Woche brauchen könnte, zum Glück war es nicht so und ich hatte gleich genug, aber wäre dem nicht so gewesen, hätte das Bengelchen auch ne Pulle Milch bekommen. (Nur gegen Zuckerwasser hätte ich mich gewehrt.)
    Klar stillen ist das Beste und so.
    Aber wenns eben mal nicht reicht, dann unterstützt ein Milchfläschchen das Stillen ja eher noch, weil Mutti wieder entspannen kann, anstatt an den verzweifelten Hungerschreien ihres Babes die Nerven zu verlieren! Und wenn Mutti entspannt ist, fließt auch die Milch.
    So.
    Anyway, ich wünsche dir und mir und allen da draußen weiterhin ein Entspanntes Stillen (vor allem auch, weil Flaschen machen, Sterilisieren und Co so anstrengend ist – dafür bin ich viel zu faul) und den Zufütterungs- oder gar nicht Stillmamis keine öffentlichen Steinigungen mehr!

    • Oh stimmt, das mit dem Blutverlust kommt ja auch noch hinzu. Zum Glück hast du dich da ja echt schnell wieder erholt!

      *hihi* Ich bin genau wie du. Eigentlich stille ich nur (okay, es soll das Beste fürs Kind sein..) weil es für mich einfach praktischer ist und ich immer alles was das Kind braucht dabei habe 😀

  2. Das mit dem Zufüttern in den ersten Tagen wird eher wegen etwaiger Saugverwirrung und einem Eingriff in Angebot & Nachfrage kritisch gesehen. Wechsel zwischen Sauger und Brust bzw. wo weniger Nachfrage, da auch weniger Angebot. Weiterhin ist es oft nach dem Milcheinschuss verführerisch, schnell noch eine Flasche zu geben… „kommt ja zu wenig“ dabei braucht der Körper der Mutter immer ein wenig Zeit, um sich auf das Mehr an Nachfrage (z.B. Wachstumsschub) einzustellen.
    Nichtsdestotrotz kann es der Mutter nach der Geburt etwas Erholung verschaffen, damit es danach besser „läuft“. Nur aus dem Sauger gehts oft leichter, da kann das Baby sich auch dran gewöhnen und es bevorzugen.

    • Ja, das weiß ich auch, mit der Saugverwirrung. Aber ich frage mich doch, warum ist die Angst vor Saugverwirrung viel größer- als die Angst das das Baby nicht satt wird?

      Und nebenbei, meine Kleine hatte nie Saugverwirrung. Ich denke auch, dadurch das so wahnsinnig viele Flaschenhersteller sich angepasst haben und die Dinger wie Brustwarzen geformt sind, so schmecken oder sonstwas, ist das auch kaum noch möglich.

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