Geburtsbericht

Es ist die Nacht zu Mittwoch. Ich habe Bauchkrämpfe und fühle mich allgemein irgendwie unwohler. Habe ein seltsames Gefühl. Aber diese Krämpfe kommen weder regelmäßig, noch halten sie mich wach.
Als ich am nächsten Morgen, Mittwoch den 05.06., mit dem Namenslosen zusammen um 6 Uhr aufstehe, auf Toilette will, berichte ich ihm- wie seltsam und schmerzhaft die Nacht war und das ich ernsthaft überlege mal in die Wanne zu steigen.
Als ich abwische, habe ich sehr sehr sehr viel Schleim dran. Seltsam. Ich hoffe es ist der Schleimpropf, der eben bei mir so komisch abgeht. Und bin schon wieder am hadern, kann es doch noch 10 Tage dauern.
Ich will wieder ins Bett wanken. Kriege allerdings wieder Schmerzen. Entscheide mich erneut für die Toilette. Wo erneut sehr wässrig der Schleim abgeht und gar nicht mehr aufhören will.
Ich lasse mir Badewasser ein. Habe ziemliche Schmerzen.
Sitze im Badewasser.
Die Schmerzen hören nicht auf. Ich fange an, mir die Zeitabstände aufzuschreiben. Alle 5 Minuten.
Alle 5 Minuten?? Das kann doch nicht sein?
Ich steige ständig wieder aus der Wanne, habe Bauchkrämpfe und entleere mich auf Toilette. Immer wieder dieser Schleim, der mit viel Flüssigkeit abgeht.
Steige wieder in die Wanne.
Bin unentschlossen.
Was ist los?
Geht es los?
Ich rufe den Namenslosen an. Sage ihm, der Abstand sind alle 5 Minuten. Ich habe Schmerzen.
Der Namenslose kommt. Gegen 7 bereits. Er versucht mich anzuziehen (ich schicke ihn immer wieder weg, will was anderes, Socken ohne Loch, irgendwas, kann mich nicht entscheiden, ständig will ich neue Socken von ihm), mir was zu essen zu verabreichen (geht nicht, kriege nichts runter, 4 Versuche hatte er, mir nen warmen Toast zu machen, aber ich war immer wieder auf Toilette und DA wollte ich dann wirklich auch keinen haben), mich vom Klo zu kriegen (geht nicht, muss eben, außerdem ist dort der Schmerz leichter zu ertragen). Zwischendurch packt er noch irgendwelche Sachen in die Kliniktasche. Er macht das super. Souverän und nur leicht panisch. Immerhin kommen die Wehen schon alle 5 Minuten, quasi ohne Vorankündigung. Er hat Angst, wir schaffen es nicht mehr rechtzeitig in die Klinik.
Ich habe solche Schmerzen.
Aber, ich habe auch Angst, in der Klinik wieder weggeschickt zu werden. Kennt man ja, hat man ja gehört.
Das ganze dauert so lang. Ich brauchte 4 Wehenveratmer zum Auto. Wenn man bedenkt das der Namenslose widerrechtlich das Auto direkt vor die Haustüre setzte, ist das SEHR lange.
Autofahren MIT Wehen ist die Hölle!! Denn die Sitzposition ist denkbar ungünstig um diese Schmerzen zu entkrampfen. Ich habe mich am Seitenteil festgehalten und geatmet wie eine blöde. Aber vor allem gejammert.
Ständig rote Ampeln. Berufsverkehr.
Wieso kommt die Geburt tagsüber? Ich dachte, meistens geht es Nachts los?
Wir brauchen ewig. Gefühlt zumindest.
Zwischendurch, kurz vor der Klinik, hab ich Panik. Gehen die Wehen wieder weg? (dieser doofe Geburtsvorbereitungskurs, macht mich ganz kirre mit den unnötigen Informationen)
Aber im Parkhaus dann, heftigere Wehen. Lange Wehen. Stehenbleibenmuss Wehen.
Extrem schmerzhafte Wehen. Egal was die im Kreißsaal feststellen, SO gehe ich nimmer nach Hause. Brauche starkes Schmerzmittel. Gibt es dafür schon Morphium?
Laufen ist seeeeeehr schwierig und geht auch nur am Mann gehängt.
Wir kämpfen uns durch die Klinik. Müssen ständig anhalten. Ich kann nicht mehr. Zwischendurch kommen Leute vorbei. Gucken doof, reden was von Rollstühlen. Toller Tipp, Danke, bitte weitergehen.
Haben die jemals ein Kind gekriegt??? Sitzen ist SCHEIßE!
Wir schaffen es, gefühlt grade so, zum Kreißsaal. Um 8.
Meine ersten Worte an die Hebamme „bitte schicken Sie uns nicht weg. Bitte, alles nur das nicht.“ Dann sage ich Bescheid, dass ich gerne prinzipiell irgendwann eine PDA hätte. Und DAS war das Beste was ich jemals gemacht habe.
Sie bringt mich in ein Vorzimmer mit Badewanne.  CTG wird geschrieben. Liegen ist auch scheiße.CTG zeigt definitiv Wehen an. Untersucht mich. Das liegen wird nicht besser. Stellt fest, die Fruchtblase ist geplatzt, Gebärmutterhals verstrichen, aber der Muttermund noch komplett verschlossen.
Wie bitte?? Komplett zu? Jetzt noch ca. 10 Stunden SOLCHE Schmerzen?? Sie nimmt Blut ab und lässt die Braunüle dran. Die ist auch störend und unangenehm.
Ich will Schmerzmittel. Sie hängt mir einen Paracetamol 1000 Tropf ran. Sagt, wenn der durch ist, sollen wir raus- laufen gehen…
Ich hänge wieder über dem Klo. Laufe aus. Meine Hose ist jedenfalls versaut. An- und Ausziehen geht gar nicht mehr alleine. Der Namenslose muss die Kliniktasche holen, brauche eine neue Hose.
Es gibt keine bequeme Position mehr. Die Liegenhöhe ist vollkommen ungeeignet. Sitzen geht gar nicht. Am Waschbecken halte ich mich fest. Am besten kann ich die Wehen am Mann gehangen ertragen. Warum weiß ich nicht, allein seine Nähe macht die Wehe nicht ganz so schlimm.
Vor allem stört mich, die Höhe des Klos. Das hängt einfach viel zu tief. Aua. Wieder hochkommen geht alleine nicht. Ich bin so froh um die Nähe des Namenslosen.
Paracetamol 1000? Die will mich wohl verarschen. Nichts wird besser. Trotzdem schickt sie uns raus, es wirke gleich.
Nach fast einer Stunde (die Zeit verging wie im Flug) schaffen wir es aus dem Kreißsaal. Immer wieder wird der Weg von heftigen, langen Wehen unterbrochen.
Ach ja. Super klasse. Bauarbeiter im Kreißsaal. Schön. Nicht. Muss ständig an denen vorbei. Unangenehm. Müssen die gerade jetzt bauen?
Aus dem Kreißsaal raus will ich an die frische Luft. Direkt davor ist ein Raucherbalkon. Auch draußen ist es nicht besser. Warm, aber nicht besser.
Ich bleibe in der Vorhalle. Warteraum. Halte mich an den Rückenlehnen fest. Versuche zu veratmen. Und mit dem Hintern dabei zu wackeln.
Der Namenslose will in die Kantine. Oder in den Park. Ich will wieder zurück.
Um uns herum wird es voll. Schwangerenambulanz. Lauter Pärchen, die beobachten, wie ich Wehen veratme. Flüstern, bald ist es bei ihnen auch soweit. Ich mag nicht von denen angestarrt werden. Will jetzt UNBEDINGT wieder zurück.
Die Hebamme hat uns umgezogen. Wir haben jetzt einen Kreißsaal. Nicht der, den wir wollten, aber da wird ja auch gebaut. Außerdem war es mir wirklich arschegal in diesem Moment. Hauptsache weg von den mitleidigen Blicken der Fremden.
Ich habe Schmerzen. Kriege jetzt endlich ein gescheites Schmerzmittel. Muss dafür liegen,weil man Kreislauf kriegt und ramdösig wird. Mir ist alles egal. Ich liege seitlich auf dem Bett, CTG umgeschnallt und drücke sehr heftig die Hand vom Namenslosen. Es wird nicht besser.
Irgendwann ist der Tropf durch. Die Schmerzen werden besser. Der Namenslose macht das super. Sieht auf dem CTG wann wieder eine Wehe kommt und hält mir dann seine Hand hin. Ich kann nicht mehr.  Ich brauche den Spuckbeutel.
Gleichzeitig mit dem Schmerzmittel habe ich auch Antibiotika erhalten, da ja meine Blase gesprungen war, zum Schutze des Babys.
Es ist Mittag. Der Namenslose hat Hunger. Ich nicht. Schon den ganzen Tag kann ich weder was essen, noch was trinken. Er lässt sich was zu essen bringen. Fisch, den mag er nicht. Somit bleibt auch er hungrig.
Ich soll was trinken. Mag aber nicht. Traubenzucker will ich. Energie. Brauche wieder den Spuckbeutel.
Mittlerweile bin ich wieder aufgestanden. Laufe umher. Probiere den Ball. Stehe am Fenster. Schreibe Nachrichten. Der Ball ist so schlecht nicht, hüpf hüpf, allerdings nur mit Schmerzmittel.
Dann fängt das Schmerzmittel an, nachzulassen. Neues kriege ich nicht. Soll ja bald die PDA kommen. Ich quäle mich aufs Bett. Bleibe dort ich Hock-Sitz-Position, hänge mich ans Seil und an den Namenslosen. So sind die Wehen halbwegs zu überstehen. Ich jammere. Ich sage dem Namenslosen klipp und klar, es gibt kein zweites Kind.
14 Uhr. Schichtwechsel. Ich mag die neue Hebamme nicht. Bin genervt. Muttermund erst fingerdurchlässig. Bin verzweifelt. Ich dachte ein Zentimeter pro Stunde?? Ich kann nicht mehr, ich mag nicht mehr ich will jetzt sofort Schmerzmittel oder PDA. Krieg ich aber nicht.

Auf einmal läuft es mir klitschnass die Beine lang runter. JETZT ist die Blase geplatzt. Es läuft. Und läuft. Und läuft. Ich soll die Hose ausziehen. Kriege eine Netzunterhose mit doppelten Binden angezogen. Mir ist alles egal. Auch das ich untenrum jetzt so rumlaufe. Ohne Hose eben. Auch, dass das Klo auf der anderen Flurseite ist, ich so an den Bauleuten vorbei muss. Der Namenslose hält mir ein Handtuch rum. Kommt mit auf Klo, habe Angst alleine. Wieder diese doofe Klohöhe.

Irgendwann später- die Zeit verfliegt. Die Schmerzen werden NOCH schlimmer. Ich hänge nur auf dem Bett am Seil. Beide Hände dran. Ziehe und schwinge kräftig bei ner Wehe. Nicht so schlecht. Das hilft irgendwie. Ich hab das Gefühl zu sterben. Ich will ganz bestimmt nie wieder Kinder kriegen. Aber wenn der Namenslose mit die Hand gibt, ist es einfach doch besser.
Der Namenslose ist mittlerweile gelangweilt. Und am einschlafen. Er dachte es geht schneller. Ich auch. Ich bin sauer. Ich hab die Schmerzen und er? Zwischenzeitlich der weltschlechteste Geburtshelfer. Wenn Wehen kamen, schaute er nur kurz vom Handy auf. Arsch. Ich hasse ihn. Warum hat er mir das angetan….
Diese Phase dauerte aber nur kurz. Wenn überhaupt ne halbe Stunde. Er rappelte sich. Besorgt mir Tee und sich Kaffee. Zuckt jedes Mal zusammen wenn ich Schmerzen hab. Ja, auch die Männer leiden.
Ich drück den Hilfeknopf. Brauche Schmerzmittel. Kriege keins. Kommt ja dann die PDA.
Ich weine.
Und sterbe. Mittlerweile jammere ich beim Ausatmen. Schreie dabei lang „aaaaaaau“ oder lang „oooooooooooooooh“. Werde lauter. Nebenan höre ich die Hebammen im Hebammenzimmer. Die hören mich mit Sicherheit auch. Ich leide. Warum hilft mir keiner?
Die Hebamme kommt erneut zur Kontrolle und hängt mir nochmal Antibiotika ran. Ich glaub wegen der PDA? Weiß nicht mehr genau.
Die Hebamme sieht wie ich atme. Und zeigt mir dann erstmal (um 16 Uhr dann doch) wie ich RICHTIG atmen muss um die Wehen zu veratmen. OH MEIN GOTT. Man kann Wehen tatsächlich veratmen. Ich bin begeistert. Ich mag diese Hebamme.
Die PDA Menschen haben sich gemeldet. Es dauert noch. Sie haben Notfälle. Ich kriege nochmal das Schmerzmittel.
Es geht mir besser. Halbwegs. Aber ich kann nicht mehr. Ich bin fertig. Müde. Kraftlos. Liege nur noch schlapp seitlich auf dem Bett, mit geschlossenen Augen.
Kämpfe mich von Wehe zu Wehe. Weiß nicht, wie ich überleben soll. Eine Hand am Namenslosen, eine am Seil.
Wir reden nicht mehr. Ich kann nicht mehr reden. Er fragt ob wir das Radio anmachen sollen. Ich will nur Ruhe.
18 Uhr. Mein Muttermund ist bei 3 (!!!) Zentimetern. Ich verzweifel. Ganz sicher kommt dieses Kind heute nicht mehr. Freue mich ein bisschen, aber nur ein bisschen. 6.6. ist schön.
Die PDA wird vorbereitet. Ich hätte ja nie geglaubt das ich die doch noch kriege. Seit 8 Uhr warte ich drauf….
Mein ganzer Körper zittert, obwohl ich das nicht will. Ich kriege Wehenhemmer. Der Arzt labert mich zu. Ich unterschreib dem alles, der soll einfach aufhören zu erzählen und endlich was tun. Habe Wehen, habe Schmerzen, es interessiert ihn nicht so. Dann geht er wieder. Braucht ein Team.
Ich werde auf die Seite gerollt. Der Namenslose will meine Hand halten. Wird weggeschickt. Finden wir beide nicht so lustig. Die Hebamme steht mir bei. Beruhigende Worte. Die Spritzen sind gar nicht schlimm. Habe Angst mich zu bewegen. Es läuft kalt in mir rein. Kalt den Arm lang runter.
Ich werde auf den Rücken gedreht, das Mittel muss sich verteilen. Traue mich nicht, mich zu bewegen. Der Narkosearzt gibt mir eine hohe Dosis, schließt mich an ein Automatisches-Nachspritzgerät an. Die Hebamme flüstert ihm zu, es wird noch lange bei mir dauern.
Der Schmerz wird nicht besser. Es dauert eeeewig, bis alles durch ist. Dann der Kältespraytest. Gut hat er es gemacht.
Merke irgendwann, ca. 20 Minuten später, keine Wehen mehr. Alles ist toll. Ich bin wieder fitter. Wacher. Kann endlich ein bisschen am Tee nippen. Mich wieder mit dem Namenslosen und den Leuten unterhalten. Wir lachen sogar. Gute Stimmung.
Meine Mama kommt. Die Hebamme gibt mir irgendwas, das stärkere und schnellere Wehen auslöst. Der Namenslose geht Abendessen.
Ich schicke meine Mama hinterher. Will schlafen, Energie tanken. Merke keine einzige Wehe. Habe zwischendrin langeweile, tippe mich durchs Internet.
19 Uhr – ich bin total entspannt, mir geht es gut. Ich merke GAR nichts. Die Hebamme kommt. Muttermund ist jetzt bei 7 cm. Ich habe Hoffnung. Sie geht 22 Uhr. Ich will mit ihr die Geburt durchstehen. Liebes Kind, bitte beeile dich.
Wir schicken meine Mama weg. Sie darf nicht dabei bleiben. Nur ein Familienmitglied ist erlaubt.  Müssen sie aber anlügen. Sonst wäre sie vor dem Kreißsaal sitzen geblieben. Zur Not die ganze Nacht. Das geht doch nicht. Arme Mama. Wir sagen ihr, dass sich immer noch nix getan hat, das Kind heute sicher nicht mehr kommt.
Der Namenslose fährt sie heim.
Haben ja noch ewig Zeit.
Zwischendrin hat die Hebamme mir noch 2 Mal die Blase entleert. WIE genau, will ich gar nicht wissen. 😀
Es ist 20 Uhr. Die Hebamme kommt. Ich erzähle ihr vom Druck den ich hinten habe. Das Kind. Der Kopf. Mein Muttermund ist vollständig auf. Mir geht es super. Ich bin geschockt. Komplett auf? Ich habe NICHTS gemerkt. Gar nicht.

Die Hebamme sagt, ich sollte den Namenslosen anrufen, in 20 Minuten ist es so weit. Ich kriege Panik. Will das nicht alleine machen. Der Namenslose ist Gott sei Dank bereits auf dem Rückweg. Beeilt sich.
Als er kommt hat er gerade noch Zeit für die Toilette. Die Hebamme dehnt den Muttermund und lässt den Namenslosen den Kopf anschauen. Er kann Haare sehen. Er hat Tränen in den Augen. Ganz stolz ruft er „ich bin der erste der mein Kind gesehen hat“.
Dann geht es los. Wir versuchen zu pressen, obwohl ich weder Wehen noch sonstwas merke. Mittlerweile sind auch meine Beine vollständig taub.
Der Namenslose hält ein Bein, ich klemme meine Hände unter die Knie. Warte auf das Zeichen der Hebamme. Die wartet auf Wehen. Die kommen nicht. Wieder das Wehenmittel. Nun kommen zwar Wehen, aber ganz ganz wenige. Die Hebamme muss sich konzentrieren, darf keine Wehe verpassen.
Auf ihr Zeichen hin atme ich tief ein und drücke einfach mal drauf los. Keine Ahnung wie und wohin ich drücke. Merke ja nichts. Hoffentlich merkt die Hebamme nicht, das ich einfach nur drücke, wie ich es im Fernsehen gesehen hab und dabei hoffe das irgendwas da unten ankommt. Ich WEIß eigentlich wie und wohin ich drücken soll, ist aber in diesem Moment einfach schlecht zu koordinieren. Mit jeder Wehe, 2 mal langes Pressen.
So geht es weiter. Am Anfang ist es noch kein Problem. Easy Peasy denke ich so bei mir. Vor allem weil die Hebamme so begeistert ist, der Kopf sich immer weiter rausschraubt. Alles läuft.
Der Namenslose ist so toll. Hält meine Hand, hält mein Bein, und feuert mich an. Laut. Süß 😀
Irgendwann bitte ich ihn aber doch, leiser anzufeuern, da ich die Hebamme nicht mehr verstehen kann.
Beide feuern mich an. Das hilft wirklich ungemein. Ich hab das Gefühl alles richtig zu machen. Ich kann das. Ich mache das gut.

Nach 3 Mal pressen (je 2 mal) bin ich fix und fertig. Das schlaucht doch ganz schön.
Als ich die Augen wieder öffne, steht die Ärztin da. Da ich ja mittlerweile Profi bin (meine Bildung hab ich aus dem Fernsehen 😀 ) weiß ich, die kommen nur zum Schluss. Ist es etwa bald so weit?
Die Ärztin und die Hebamme sind erstaunt. Mein Kind ist super aktiv und bewegt den Kopf hin und her, obwohl dieser schon rausschaut. Ich kriege den Spiegel hingehalten. Sehe Haare.
Der Namenslose wird von der Ärztin weggedrängt, steht jetzt direkt bei mir.
Mittlerweile MÜSSEN wir das Kind bald rausholen, sonst droht die Saugglocke- Notkaiserschnitt nicht mehr möglich, Kopf war ja schon „draußen“.
Die Ärztin rammt mir nun jedes Mal beim pressen ihren Ellenbogen in die Gebärmutter.
Und DAS tut richtig weh. Das merke ich trotz PDA. Ich krieg keine Luft mehr, brauche die doch aber zum pressen. Ich kann nicht mehr pressen, diese doofe Frau. Merkt die das nicht?
Die Hebamme merkt es. Und bittet die Frau doch etwas weniger sich mit aller Macht auf mich rauf zu stemmen.
Das hilft. Noch einmal pressen und da ziehen sie auch schon mein Kind raus. Es macht leise „mäh, mäh“. Wie ein Schaf. Mein Bauch macht plopp und wölbt sich schlagartig nach innen. Legen es mir sofort auf den Bauch. Ich kann gar nicht richtig schauen. Frage bestimmt 10 Mal ob alles dran ist. Dem Namenslosen wird die Schere hingehalten, schnapp, Nabelschnur ist durch.
Der Namenslose weint.
Ich kann gar nicht weinen. Ich staune nur. Ich hab gerade ein Baby, mein Baby zur Welt gebracht. Da liegt es. In meinen Armen. Und mäht. ❤ Es ist 21.32 Uhr. Just in time 🙂 <<<<<<<<
Ich wunder mich, muss ich nicht noch die Nachgeburt rauspressen? Die Hebamme sagt mir, ich hätte einen Dammriss 2. Grades. Die Ärztin bereitet alles zum nähen vor. Das Kind wird mir weggenommen. Der Namenslose geht hinterher.
Das kleine Wunder wird gewogen und vermessen. 3.390g und 49 cm. KU bei 34cm. Der Namenslose darf die Daten aufschrauben. Ist so gerührt, dass er sich verschreibt. Nochmal von vorne.
Man stellt eine sehr große Geburtgeschwulst bei ihr fest (mein kleiner Alienkopf <3<3), was aber nicht weiter verwundert, da sie ja während der Geburt so aktiv war und ständig den Kopf drehte.
Der Namenslose hält seine Tochter. Er ist so stolz.
Die Hebamme gratuliert mir, die Plazenta ist vollständig, die Geburt für sie somit vorbei.
Häh wie jetzt? Wann kam die denn? Der Namenslose erzählt mir, das die gleich MIT dem Kind rausgezogen wurde. Aha..
Ich habe ne Menge Blut verloren. Der ganze Boden ist wohl rot. Reicht noch nicht. Die Hebamme soll nochmal auf meine Gebärmutter pressen. Es macht platsch und ein Schwall Blut ergießt sich im Kreißsaal. Gut das ich das nicht sehen kann.
Das zunähen dauert ewig. Bestimmt ne halbe Stunde. Mein Baby mäht und mäht. Hört gar nicht mehr auf. Oh Gott. Ich kann mein Kind nicht beruhigen….
Die Hebamme kommt, sagt sie hätte wohl Kopfschmerzen. Kein Wunder. Sie kriegt Arnika Globuli.
Ich bitte darum, endlich die PDA abzukriegen. Mittlerweile ist alles unterhalb der Brust taub.
Nach dem Nähen kriege ich von einer neuen Hebamme (Schichtwechsel) mein Kind neben mir aufs Bett gelegt. Ich will sie anlegen. Aber sie schläft. Wir werden in einen anderen Raum gefahren. Dort habe ich dann auf einmal riesen Hunger. Ich kriege noch Abendbrot.
Salamistulle 😀 Ich bin selig. Mein Kind schläft so friedlich neben mir.
Durst hab ich auch.
Geschafft.
Ich habe mein Baby zur Welt gebracht.
Eigentlich. Also eigentlich hat mein Baby sich selbst zur Welt gebracht. Sie hat das so so toll gemacht, die kleine Maus. Ich bin so stolz auf sie. Ich hab ja nicht so viel dazu beigetragen.
Aber die Erkenntnis gewonnen. So schlimm war es nicht, ab PDA. Ein zweites Kind ist definitiv drin.

Die erste Nacht als Familie war toll. Die kleine Maus lag auf unseren Bäuchen. Wir haben mehr oder weniger geschlafen. Ich war wach. Durfte ja auch nicht einschlafen, bevor die Betäubung nachlässt und ich auf dem Klo war. Das dauerte ewig. Nachteil der PDA.

Im Nachhinein stimmt alles. Ich weiß zwar noch, DAS ich heftige Schmerzen hatte. Aber wie genau die waren… im Rücken oder im Bauch oder gleichzeitig…das weiß ich beim besten Willen nicht mehr. Gut so. 😀
Auch wenn es sich hier sehr negativ liest. Es war eine absolut einmalige, unbeschreibliche und noch nicht ganz verarbeitete Erfahrung. Ich bin sehr sehr froh doch diesen Weg gegangen zu sein. Ich habe kein schlechtes Gewissen, dass ich mich nicht noch weitere 80 Stunden gequält habe.
Denn ich bin der Meinung, ich hatte beides. Hatte 12 Stunden lang heftige und heftigste Wehen. Dann die göttliche PDA. Darf also definitiv behaupten, den Geburtsschmerz mitgemacht zu haben.
Nachdem mein CTG zum Schluss hin konstant bei Wehentätigkeit um die 130 lag, dabei nur sehr kurz mal auf 90 abgefallen ist (wenn man keine Wehe hat, ist der Wert so bei 6-10) bin ich umso dankbarer DIESE Phase nicht live mitbekommen zu haben.

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8 Gedanken zu „Geburtsbericht

  1. Herzlichen Glückwunsch! Ich wünsche euch eine ganz tolle Kennlernzeit! Ich habe in den letzten 4 Tagen deinen gesamten Blog verschlungen. Du schreibst so toll!

  2. Ahhhh…ich glaube so kurz vor meiner eigenen Geburt hätte ich das nicht lesen sollen.
    Vor allem, weil ich echt so Schiss hab vor ner PDA, aber andererseits will ich die Geburt ja auch durchstehen.
    Ich finde auf jeden Fall, dass du das toll gemacht hast! Ich hoffe ich bekomme auch alles so gut hin…Und habe Hoffnung, dass ich mich nicht so lange quälen muss, weil der Muttermund ja zum Glück mitlerweile 2-3 cm offen ist…
    Tat es sehr weh, als die PDA gestochen wurde?
    Auf jeden Fall nochmal herzlichen Glückwunsch!!! Zu allem!

    • Nein, das PDA Stechen tat überhaupt gar nicht weh. Aber sag das mal deinem Körper… man zittert glaub trotzdem vor Angst und Panik. Das einzig „unangenehme“ ist eben dann echt diese Kälte die deinen Körper durchströmt. Ansonsten kann ich nur wieder und wieder betonen wie genial diese Methode ist und dafür echt ne Lanze brechen 😉

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