Unwissenheit

Ich glaube das Schlimmste an einer Schwangerschaft (zumindest ganz sicher bei meiner Schwangerschaft) ist die Unwissenheit.
Dieses Gefühl- es begleitet einen von Beginn an. Unwissenheit = Ungewissheit.
Gleich ganz am Anfang geht es los. Ist das jetzt eine zweite Linie auf dem Test, oder nicht? Bilde ich mir das ein? Die ist aber arg schwach? Ist der Test überhaupt noch aussagekräftig nach mehreren Minuten? Muss da überhaupt ne zweite Linie sein???
Dann kommt gleich die nächste Frage. Wird mein Partner sich auch wirklich/überhaupt drüber freuen? Wie wird er reagieren?
Dann kommt die heiße Phase. Ist überhaupt eine Fruchthöhle beim Arzt erkennbar, verläuft die Schwangerschaft auch wirklich so wie sie sein sollte? Ist es eine richtige Schwangerschaft?
Schlägt das Herz? Schlägt da wirklich ein klitzekleines, nur von Geräten messbares Herz?
Ist alles soweit dran, am Baby? 2 Arme und 2 Beine? Mehr kann man ja noch nicht so erkennen..

Was darf ich essen? Wie viel darf ich essen? Was sollte ich essen?
Was darf ich machen, darf ich noch fliegen, springen, hüpfen, arbeiten?
Wann sage ich es meinen/seinen/unseren Eltern? Den Freunden, Verwandten und Bekannten? Wann dem Arbeitgeber?

Sind dann die ersten 12 Wochen halbwegs ohne Herzinfarkt überstanden- und das sind ja nur die Kopfsachen, wenn es dumm läuft hat man zusätzlich zum gefühlt nie enden wollenden Frageapperat auch noch ein paar richtig fiese Schwangerschaftsbegleiter wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Ekel usw.usf. – geht es nahtlos weiter.

Feindiagnostik oder nicht? Sollten wir uns das Geschlecht verraten lassen? Oh Gott, was wird es wohl werden? Nackenfaltenmessung, Fruchtwasseruntersuchung? Ist alles dran? Arbeiten die Nieren schon? Hat mein Kind auch alle 10 Zehen und Finger? Erkenne ich es überhaupt auf dem Ultraschall? Ist es zeitgerecht entwickelt?

Es gibt natürlich auch schöne Fragen. Wie soll es denn heißen, wenn es ein Mädchen/Junge wird? Wann werde ich das Baby zum ersten Mal spüren? Wie wird es so sein, generell, mit einem Baby? Wann fängt endlich der Urlaub/Mutterschutz an? Fahren wir nochmal zu zweit in den Urlaub? Was brauchen wir eigentlich alles für ein Baby? Wann fangen wir an, die Erstausstattung zu besorgen? Und und und.

Spürt man dann das erste Stupsen des Babys geht es auch gleich wieder weiter…

Wieso habe ich heute nichts gemerkt? Ist alles in Ordnung?  Wieso ist es so extrem aktiv? Heißt dieses heftige Rumpeln in meinem Bauch, dass Baby das/die Musik/das Essen/die Sitzhaltung/usw.  jetzt mag oder eben nicht so sehr? Bleibt es bei Mädchen/Junge? Habe ich wohl Schwangerschaftsdiabetes? Ist mein Bauch jetzt zu groß/zu klein? Sieht man das es ein Babybauch ist?
Gern vereint mit: Wann melde ich mein Baby in einem Kindergarten/Krippe an? Wann bereite ich wie/welche Anträge vor? Was brauche ich für welche? Wie werden wir die erste Zeit finanziell dastehen? Wie lange kann/möchte ich daheim bleiben?

Schöne Fragen:  Was ist das jetzt genau, welches Körperteil, was ich da spüre? Merkt mein Partner das Baby wirklich schon? Merkt mein Baby wenn der Papa/die Mama drüber streicheln und zum Bauch sprechen? Merkt es, wie sehr wir uns freuen?

Und es hört einfach nicht auf…
Ist das ein Dehnungsstreifen? Wird das ein Dehnungsstreifen? Sind das Hämorrhoiden? Habe ich Magen-Darm oder ist das wegen der Schwangerschaft? Wann gehen die Pickel endlich weg? Brauche ich jetzt wirklich diese oder jene Umstandssachen? Wie werde ich wohl sein, als Mutter? Schaffe ich das wirklich? Wie wird der Partner sein? Wird es ein Frühchen? Ist es weiterhin zeitgerecht entwickelt? Nehme ich ausreichend Vitamine, Eisen usw. zu mir? Ist das Kind ausreichend versorgt? Schnürt es sich selbst die Nabelschnur ab?  Hat es sich gedreht? Wird es eine normale Geburt oder ein Kaiserschnitt?

Zum Schluss, also zur Endphase wird es dann nochmal richtig heiß:

Kann ich den Mann jetzt wirklich da und dort hin und feiern lassen? Wer ist im Notfall da? Sind das Wehen? Wie fühlen sich Wehen an? Wie atme ich richtig? War das die Fruchtblase? Haben wir alles? Wer wird Taufpate? Ist die Kliniktasche wirklich gut gepackt? Werde ich mit dem Mobile rechtzeitig fertig (ok, das frag wohl nur ich mich :D)?
Kommt der Kinderwagen/der Schrank/ dieses jenes solches rechtzeitig? Reicht die Wohnung? Wer ist in der ersten Zeit da um mich/uns zu unterstützen? Werde ich mein Baby sofort unendlich lieben? Werde ich eine Geburt überstehen? Fühle ich mich bereit dafür?
Warum wollte ich schwanger sein? Wieso hab ich nicht länger drüber nachgedacht? Warum kommen diese Arschloch-Dehnungsstreifen in den letzten Wochen? Werde ich jemals wieder schlafen können? Wie fühlt es sich wohl an, so bequem auf dem Rücken liegen zu können? Wie schnell werde ich diesen Monsterbauch wieder los? Werde ich den überhaupt je los? Warum sind andere so viel weniger schwanger? Schaffe ich noch einen letzten Friseurbesuch? Wird der Damm reißen? Wie heftig ich wohl bluten werde? Werde ich jemals in meinem Leben wieder wissen, wie sich Sex anfühlt? Werden wir eine glückliche Familie? Werden wir es packen? Gemeinsam? Wollen wir ein zweites Baby, wenn ja, wann? Werden wir jemals ein Heim für uns finden? Traue ich mich, Auto zu fahren? Möchte mein Baby eigentlich nie da raus? Wie gut wird es noch versorgt? Waren das jetzt wehen? Darf ich überhaupt noch auf den Stuhl klettern um Fenster zu putzen? Wann kommt der Nestbautrieb? Haben wir wirklich alles da? Wird mein Bauch eigentlich noch dicker??

Begleitet und überschattet von der größten Frage aller Zeiten:

Wann endlich ist es so weit, wann möchte mein Baby das Licht der Welt erblicken?
Begleitet wird man ständig von dieser Frage. Gleich nach dem Aufstehen (Ist heute der Tag der Tage?), beim Mittag (wird dies meine letzte Mahlzeit vor der Geburt sein?), Abends (was mache ich, wenn der Liebste beim Männerabend ist, und es geht los?), Nachts vorm einschlafen (wird es heute Nacht so weit sein?)
Und wieder von vorne. Jeden Tag.
Wenn ich also auf eines in dieser kompletten Schwangerschaft verzichten hätte können, dann wäre es eben jene große Ungewissheit.
Es ist die einzige schwangerschaftsbegleitende Beschwerde, die bis zum Schluss einfach nicht gehen will….
Und nach der Geburt geht es ja erst so richtig los. (Ist mein Baby zu warm/zu kalt angezogen? Warum schreit es denn jetzt? usw.usw.)

Dieses große, fette Fragezeichen… ich kann es nimmer sehen. Es macht einen an manchen Tagen wirklich fertig.
Wird es bei der zweiten Schwangerschaft wohl besser werden? (tadaa, auch hier wieder die große Unwissenheit…)

Wollte ich nur mal festhalten. Alles kann und konnte ich bisher ertragen und akzeptieren. Rückenschmerz, Verstopfung, Vorwehen, Pubertätshaut, schlaflose und unbequeme Nächte.  Aber eben diese Unwissenheit. Das Warten. Das Reinhorchen.
Ich will jetzt Antworten. Sofort! 😉

Al

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