Übertrifft teilweise die Anforderungen

So. Und was soll mir das jetzt sagen bitteschön? Das ist nüscht halbes und nüscht ganzes. Das geht so nicht.
Atmen. Tief atmen. Und ausholen.

Bevor ich mich in Krankenstand, Urlaub und jetzt aktuell Mutterschutz verabschiedet hab, habe ich grade so noch die Mail erhalten, man müsse sich seit neuestem für meine nächste Gehaltsstufe (Beförderungsstufe) bewerben. Bis dahin war das so eine Pflichtbeförderung die man dann einfach so mitgenommen hat. Jetzt nicht mehr, wie gesagt, man muss sich bewerben. Fein. Habe ich getan. 12 Stellen sind ausgeschrieben. Ich hab schon sehr oft hin und her gerechnet und überlegt und mir eh schon keine Chancen ausgemalt.
Jetzt bekam ich meine Anlassbeurteilung zur Bewerbung per Post zugeschickt. Damit ich Stellung nehmen kann.

Erst war ich super begeistert, liest sich gut (wie so ziemlich jedes Arbeitszeugnis, dafür hab ich nämlich auch schon genug geschrieben und kenne die Tricks) bla bla. Auch der Abschlusssatz- statt Note: übertrifft teilweise die Anforderungen.

Klingt doch richtig klasse. Isses aber nicht.
Bedeutet schlichtweg, man konnte sich nicht entscheiden wo man mich reinsteckt. Übertrifft die Anforderungen entspricht ne 2 und ist richtig richtig richtig gut. 1 er gibts bei uns nicht.
Entspricht den Anforderungen ist daher ne 3. So. Nun übertreffe ich aber teilweise den Anforderungen. Boah. Wie klingt das denn? Ist ja dann ganz klar ne 2- oder ne 3+. Aber sowas gibt es eigentlich gar nicht. Außerdem ist das dann richtig schlecht. Davon mal abgesehen das mir klar ist, nicht mehr befördert zu werden.
Aber das Dumme ist eben, ich bin jetzt erstmal 2 Jahre in Elternzeit. Bedeutet also, ich hab nichtmal die Chance auf ein besseres Zeugnis, bzw. irgendwas ät work „besser“  zu machen (was in Beamtendeutsch einfach bedeutet, länger aussitzen, die Noten steigen mit der Länge der Beamtenzeit.. das hat nämlich alles rein gar nichts mit der tatsächlichen Leistung zu tun) Wie denn auch? Arbeite ja nicht mehr. Somit fange ich also mit Wiedereinstieg in die Arbeit auch ganz unten bei Null an. Unfairerweise. Weil ich bis dahin locker und dreimal ne Beförderung verdient hätte. Und das ist echt zum aus der Haut fahren. Eben wegen diesem „teilweise“. Wenn sie das streichen würden. Dann wäre doch gut. Dann hätte ich auch reelle Chancen irgendwann. Aber so? Als ob jemand der nach 2 Jahren wieder einsteigt sofort ein super Zeugnis kriegt. Pffff. Pustekuchen.

Ich bin deswegen am überlegen wirklich ne Stellungnahme abzugeben. Bzw. mir dieses „teilweise“ erklären zu lassen. Denn eigentlich kann ich ne 3 wirklich auf keinen Fall akzeptieren. Ich bin verdammt gut in meinem Job. Er macht mir keinen Spaß, aber ich bin trotzdem voll dabei. UND nebenbei habe ich noch andere Abteilungen tatkräftig unterstützt. Ich hab sogar mehr geschafft als andere die mehr verdienen. Der Dank ist: ein schriftlicher Arschtritt. Wenn die glauben, mich damit zu einer Rückkehr überzeugen zu können. Nix da. Ich werde schon während der Elternzeit den rechtzeitigen Absprung wenigstens versuchen und mich auf andere Stellen bewerben. Was solls. Wird einem ja eh nix und nie gedankt.

Und ehrlich gesagt sehe ich es nicht ein, wiederzukommen, und ein 2 Jahre jüngerer Sesselpupser der beinahe durch die Prüfung gefallen wäre aber wegen Berufsmangel doch grad so reingerutscht ist, ist über mir.  Nur, weil ich eben „unpassenderweise“ ein Kind kriege. Danke du kinderfreundlicher Staat- wie du deine Bediensteten unterstützt.

Och was solls. Dann nehme ich vielleicht doch 3 Jahre Elternzeit. Und dann werde ich im 3. Jahr eben wieder schwanger. Kind 2. Wieder 3 Jahre. Dann bin ich 6 Jahre raus. Wozu eigentlich überhaupt wiederkommen? Ich kann mich ja danach auch beurlauben lassen bis mein jüngstes Kind 18 ist. Och ja, ist bestimmt ganz nett.

Ach nee warte mal. Geht ja leider nicht. Soll ja tatsächlich noch Leute geben die auf Arbeit und Geld angewiesen sind.

*grummel* (so kann man sich seine Mutterschutzzeit auch vermiesen lassen… ich hätte mich einfach gar nicht erst bewerben sollen)

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